Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch hat zu einer sozial engagierten Kirche aufgerufen, die zu einer solidarischen Gesellschaft beiträgt. „Ein gegenseitiges Füreinander-Eintreten ist ein Hoffnungsbooster“, sagte er am Donnerstagabend laut Redetext in einem Gottesdienst zum Reformationstag in Bonn. „Die herrliche Freiheit, die Welt Gottes, ist von sozialer Relevanz.“ Christen könnten „teilnehmen an der Bewegung der Menschenfreundlichkeit Gottes und damit ernst machen, dass Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität und Besitz keine Rolle spielen“.
Reformation berge die Chance auf Erneuerung und sei damit das Gegenteil von Weltuntergangsstimmung, unterstrich der Theologe in der Bonner Kreuzkirche. Mit der Kraft der Auferstehung setze sich das Leben durch „gegen alle Todesmächte in Politik, Religion und Gesellschaft“. Diese von Gott geschenkte Hoffnung gebe Zuversicht und Kraft zum Handeln: In die kirchliche Trägheit könne Aufbruch gesät werden, „indem wir handeln“.
„Gott und Gerechtigkeit lassen sich nicht voneinander trennen“, betonte der Präsident der Diakonie Deutschland. „Solidarität und Barmherzigkeit sind daher das Wertefundament der Christusnachfolgenden.“ Nächstenliebe bleibe „eine gleichwertige Größe neben der Gottesliebe und der Selbstliebe“.
In aller Welt erinnerten evangelische Christen am Donnerstag an den Beginn der Reformation durch die Veröffentlichung der 95 Thesen von Martin Luther (1483-1546) im Jahr 1517. Die Thesen des damaligen Augustinermönchs gegen kirchliche Missstände wurden zum Ausgangspunkt einer christlichen Erneuerungsbewegung. Während der Gedenktag früher zur Abgrenzung der Protestanten gegenüber katholischen Christen genutzt wurde, wird er inzwischen im Geist der Ökumene gefeiert.