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Das Stichwort: Präses der westfälischen Kirche

Präses heißt in der Evangelischen Kirche von Westfalen der oder die leitende Geistliche. Die lateinische Amtsbezeichnung bedeutet „Vorsitzende/r“. Die am Samstag neugewählte Präses Adelheid Ruck-Schröder vertritt künftig die viertgrößte deutsche Landeskirche mit rund 1,9 Millionen Mitgliedern als leitende Theologin nach außen. In der Landessynode, dem obersten Beratungs- und Entscheidungsorgan, führt sie den Vorsitz. Zudem steht sie an der Spitze der Kirchenleitung.

Zu den Präses-Aufgaben gehört bislang auch die Leitung des Landeskirchenamts in Bielefeld, der zentralen Verwaltung der Landeskirche. Ferner hat die Präses laut Kirchenordnung für eine regelmäßige Versammlung der Superintendentinnen und Superintendenten der 26 Kirchenkreise zu sorgen. Hinzu kommen Aufgaben wie Verkündigung, Seelsorge, Beratung, Ordination und Visitationen.

Bei dieser Aufgabenfülle soll es nicht bleiben: Nach einem Synodenbeschluss vom März 2024 soll das Präses-Amt entschlackt werden. In anderen Landeskirchen sind die obersten Leitungsaufgaben in der Regel auf mehrere Ämter verteilt.

Die Bezeichnung „Präses“ für das oberste Hirtenamt gibt es außer in Westfalen nur in der Evangelischen Kirche im Rheinland. In anderen Landeskirchen heißen die leitenden Theologen meist Bischof oder Kirchenpräsident, in Lippe lautet die Bezeichnung Landessuperintendent und in Bremen Schriftführer.

Seit dem Rücktritt von Annette Kurschus im November 2023 ist das westfälische Präses-Amt vakant, kommissarisch führt seither der Theologische Vizepräsident Ulf Schlüter die Amtsgeschäfte. Ruck-Schröder wird die neunte Präses der westfälischen Landeskirche. Die bisherigen Amtsinhaber waren: Karl Koch (1946-1949), Ernst Wilm (1949-1968), Hans Thimme (1969-1977), Heinrich Reiß (1977-1985), Hans-Martin Linnemann (1985-1996), Manfred Sorg (1996-2004), Alfred Buß (2004-2012) und Annette Kurschus (2012-2023).