Mit einer Gedenkveranstaltung erinnert das Bautzen-Komitee am 30. März an den Häftlingsaufstand im DDR-Gefängnis „Gelbes Elend“ vor 75 Jahren. Geplant sei dazu an der Gräberstätte Karnickelberg im sächsischen Bautzen auch eine Kranzniederlegung für Opfer der SED-Diktatur, teilte die Stiftung Sächsische Gedenkstätten am Freitag in Dresden mit. Zu dem Gedenken wird der damalige Häftling Jochen Stern erwartet. Der heute 96-Jährige war an dem Aufstand beteiligt.
Stern werde ebenso sprechen wie die SED-Opferbeauftragte beim Deutschen Bundestag, Evelyn Zupke, und die sächsische Justizministerin Constanze Geiert (CDU). Im Anschluss ist ein Gedenkgottesdienst im Bautzener Dom geplant. Im Gefängnis Bautzen I, das wegen seiner gelben Klinker und der prekären Haftbedingungen als „Gelbes Elend“ bekannt wurde, protestierten am 31. März 1950 Tausende Männer gegen unmenschliche Haftbedingungen. Zuvor hatte es Mitte März einen Hungerstreik gegeben.
Das ehemalige sowjetische Speziallager in Bautzen war erst Anfang 1950 an die DDR übergeben worden. Für mehr als 6.000 Männer verschlechterten sich damit die Verhältnisse dramatisch. An dem Protest beteiligten sich etwa 80 Prozent der Inhaftierten. Das Ereignis gilt als erster und größter Häftlingsaufstand in der Geschichte der DDR. Der Aufstand wurde von der Volkspolizei brutal niedergeschlagen, etliche Insassen schwer verletzt.
Das Bautzen Komitee wurde 1990 von ehemaligen Häftlingen des Speziallagers Bautzen I und der Strafvollzugseinrichtung der Staatssicherheit (Bautzen II) gegründet.