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Kirchenpräsidentin Wüst: Den Schatz der Kirchengeschichte heben

Die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hat die Bedeutung der Kirchengeschichte für Kirche und Gesellschaft betont. „Sie ist ein Schatz, der gehoben werden will. Weil sie uns erzählt, wo wir herkommen, wer wir sind“, sagte Wüst am Donnerstag in ihrer Festpredigt anlässlich des 100. Jubiläums des Vereins für pfälzische Kirchengeschichte in der Stiftskirche in Neustadt an der Weinstraße. „Und nur wenn wir wissen, wer wir sind, können wir entscheiden, wer wir sein wollen und wo wir hinwollen.“ Durch die Beschäftigung mit ihrer eigenen Geschichte gewinne die Pfälzer Kirche „einen Zuwachs an Erfahrung und Wissen, das in uns Leben gewinnt“, sagte die Kirchenpräsidentin.

Der Pfälzer Kirchengeschichtsverein wurde am 5. März 1925 in Neustadt an der Weinstraße in einem zunehmend religions- und kirchenkritischen Umfeld gegründet. Initiatoren waren der Landauer Pfarrer Adolf Risch und Oberkirchenrat Eugen Mayer. Im selben Jahr erschien das erste Heft der bis heute als Jahrbuch herausgegebenen „Blätter für pfälzische Kirchengeschichte“. Der Verein mit Sitz in Landau zählt heute mehr als 500 Mitglieder.

„Wir bauen auf Geschichte. Und dass sie uns etwas zu sagen hat“, sagte Wüst. Und doch beschleiche sie „das bedrückende Gefühl, dass man nichts aus der Geschichte gelernt“ habe. Unwidersprochen und von Mehrheiten bejubelt sei es möglich, „einen Adolf Hitler in die sozialistische Schublade zu stecken“, sagte sie mit Blick auf die AfD. Auch werde der ukrainische Staatspräsident Wolodimir Selenski als Kriegstreiber bezeichnet und die Demokratie als Verlierermodell gewertet. Die Demokratie in Deutschland werde nur stabil bleiben, wenn Menschen gemeinsam ein Modell suchten, „wie sich eine diverse Gesellschaft am Ende der Wohlstandsspirale und unter dem Eindruck zerbröselnden Friedens denken und leben lässt“.

Der Vorsitzende des Pfälzer Kirchengeschichtsvereins, Ulrich A. Wien, bezeichnete es als eine zentrale Aufgabe von regionaler Kirchengeschichte, der evangelischen Kirche durch Rückblicke neue Impulse für ihre Arbeit zu geben. Diese biete die Chance, konfessionelle Identität als Problem und Chance sowie das Innovationspotential eines „regionalen Pragmatismus“ zu erkennen, sagte der Landauer Kirchenhistoriker. Aus neuen Forschungsfeldern und Erkenntnissen profitierten auch spätere Generationen. Ein Ziel des Kirchengeschichtsvereins sei es, ein historisches Bewusstsein bei jungen Menschen zu wecken.