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Kirche reagiert uneins auf US-Abschiebungen nach Lateinamerika

Wenn es um Abschiebungen geht, spricht die katholische Kirche in Nord- und Lateinamerika mit vielen Stimmen. Einige Geistliche zeigen Verständnis für den harten Kurs von Donald Trump, andere kritisieren ihn scharf.

US-Präsident Donald Trump versprach im Wahlkampf die “größte Massenabschiebung in der Geschichte” Amerikas. Seit er am 20. Januar zum zweiten Mal das höchste Staatsamt angetreten hat, beobachten auch Kirchenvertreter in den USA wie in Lateinamerika die Migrationspolitik der neuen Regierung genau.

In Los Angeles macht das Erzbischof Jose Horacio Gomez, ein gebürtiger Mexikaner. Das Portal “El Debate” zitiert aus einem Brief des Erzbischofs an seine Pfarreien. Während die Welt auf die von Trump angekündigten Abschiebungen schaue, habe schon die frühere Regierung des demokratischen Präsidenten Barack Obama mehr als fünf Millionen Einwanderer abgeschoben. “Ich habe damals gesagt, was auch heute noch gilt: Abschiebung ist keine Einwanderungspolitik”, schreibt der Erzbischof.

Er habe seit fast 40 Jahren mit Einwanderern gearbeitet, “seit ich ein junger Priester in Texas und Colorado war”, heißt es weiter in dem Brief. Während dieser Zeit sei Migration stets ein Konfliktpunkt in der US-amerikanischen Gesellschaft gewesen. “Wir sind uns alle einig, dass wir keine illegalen Einwanderer in unseren Gemeinden haben wollen, die Terroristen oder gewalttätige Kriminelle sind”, so Gomez. Zugleich fordert er, dass im Falle einer Abschiebung Rechte und Würde der Betroffenen respektiert werden müssten.

Nicht jeder könne in den USA leben. Regeln und ein geordneter Prozess seien nötig, “um zu entscheiden, wen und wie viele unter welchen Bedingungen wir willkommen heißen”, so der im mexikanischen Monterrey geborene Geistliche, der seit 1995 die US-Staatsbürgerschaft besitzt.

Nach seiner Einschätzung ist das aktuelle System fehlerhaft. Jede Nation habe die Pflicht, die eigenen Grenzen zu kontrollieren und zu schützen. Es scheine nicht genug Menschen in Washington zu geben, die dies ernst nähmen. “Die letzte umfassende Reform des Einwanderungssystems unseres Landes fand 1986 statt”, bemängelt Gomez.

Für den Wunsch, in die USA auszuwandern, hat er allerdings Verständnis: “Menschen werden mit dem natürlichen Recht geboren, auf der Suche nach einem besseren Leben auszuwandern. Die wohlhabenden Nationen sind aufgerufen, großzügig zu sein und sie aufzunehmen.” Darum sollten Grenzmauern auch Tore haben.

Auf der anderen Seite der Grenze, in Gomez’ Heimatland Mexiko, gibt es hingegen deutliche Kritik an Donald Trump. Zu den radikalsten Kritikern gehört der bekannte Migrantenpriester Alejandro Solalinde, der mit dem nationalen Menschenrechtspreis ausgezeichnet wurde. Mit welchen Hoffnungen, Wünschen und Ängsten Migration verbunden ist, erlebt der katholische Geistliche ständig. Er hat in Mexiko Herbergen entlang der Migrationsroute in Richtung USA aufgebaut, um Migranten mit Essen und einem Schlafplatz zu versorgen.

Solalinde nannte Trump nun laut lokalen Medienberichten einen “Anti-Christen”, der einen “Krieg gegen die Armen und damit gegen Gott” begonnen habe. Als Reaktion auf diese Politik schlössen sich die Migranten stärker zusammen. So seien sie am Ende mächtiger als ein Politiker, der an Geld denke, meint Solalinde.

Laut Bischof Eugenio Lira Rugarcia, der in der mexikanischen Kirche für die Migrantenhilfe zuständig ist, sind Millionen Menschen von der strikten Einwanderungspolitik der Vereinigten Staaten betroffen: “mehr als 13,5 Millionen Menschen ohne Papiere direkt – und Millionen weitere indirekt”.

Das beschäftigt auch seine Amtsbrüder. Jüngst wies die Mexikanische Bischofskonferenz auf das Leid der Betroffenen hin: “Sie empfinden großen Schmerz, tiefe Angst und schreckliche Unsicherheit.” Daher sei es wichtig, für sie zu beten, ihnen aber auch materielle Unterstützung anzubieten. “Lasst uns gemeinsam versuchen, sie in die Gemeinschaft zu integrieren”, so der Appell der Bischöfe.