Deutsche Rosenmontagswagen rufen Russlands Justiz auf den Plan: Vor einem Moskauer Gericht soll am Mittwoch ein Verfahren gegen den Düsseldorfer Satiriker Jacques Tilly starten. Der Künstler gibt sich betont gelassen.
Ein gegen ihn in Russland geführter Strafprozess wird nach Aussage des Düsseldorfer Karnevalkünstlers Jacques Tilly zunächst keine Auswirkungen auf seine Arbeit haben. “Es war schon immer die Aufgabe des Narren, einmal im Jahr der Obrigkeit die Meinung zu geigen. Und das machen wir natürlich weiterhin”, sagte der Wagebauer am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). “Ich werde jetzt nicht mein Leben ändern oder mich irgendwie verstecken”
Am Mittwoch soll vor einem Moskauer Gericht ein Verfahren gegen Tilly beginnen, unter anderem wegen angeblicher Verunglimpfung der russischen Armee. Anlass sind satirische Karnevalswagen, mit denen sich der Künstler wiederholt kritisch mit Russlands Präsident Wladimir Putin und dem Angriffskrieg gegen die Ukraine auseinandergesetzt hat.
Tilly kritisierte das Strafverfahren als absurd und politisch motiviert. “Ich kann kaum glauben, dass sich ein autoritärer Staat bemüßigt fühlt, seine Gerichte gegen Pappfiguren in Bewegung zu setzen.” Das Vorgehen stehe “jenseits aller Verhältnismäßigkeit”. Der Künstler wird an dem Prozess nicht persönlich teilnehmen. Bis heute habe er keine offizielle Information aus Moskau erhalten. “Es werden noch nicht einmal die geringsten rechtsstaatlichen Standards aktiviert.”
Nach Informationen Tillys entsendet die deutsche Botschaft in Moskau Vertreter zu den Verhandlungsterminen, um ihn über den Fortgang zu informieren. Zwar sei ihm formell eine Pflichtverteidigerin zugeordnet worden, mit dieser habe er jedoch bislang kein einziges Wort gesprochen. Der Prozess werde vor dem berüchtigten Basmani-Gericht in Moskau geführt und richte sich gegen weitere Angeklagte. Er sei jedoch der einzige Deutsche darunter.
Mögliche langfristige Folgen des Verfahrens könne er schwer einschätzen, so Tilly. Solange er nicht in Länder mit Auslieferungsabkommen reise, habe der Prozess zunächst keine Konsequenzen. “Aber es kann natürlich in vielen Jahren Auswirkungen haben, wenn etwa in Deutschland eine moskautreue Regierung an die Macht kommt, zum Beispiel die AfD.”
In diesem Jahr werden beim Düsseldorfer Rosenmontagszug laut WDR erneut zwölf politische Wagen aus Tillys Werkstatt zu sehen sein. Welche Motive er genau wählen wird, wollte er noch nicht verraten. Nur so viel: Der russische Präsident Wladimir Putin sei seit Jahren immer wieder Thema seiner Arbeiten gewesen – daran werde sich nichts ändern.