Artikel teilen:

Trump macht Ernst mit der “Donroe-Doktrin”

Das neue Jahr begann mit einem Paukenschlag in der Karibik. Mit der spektakulären Gefangennahme des venezolanischen Autokraten Nicolás Maduro hat US-Präsident Donald Trump nicht nur völkerrechtliche Grenzen beiseite gewischt, sondern auch gezeigt, wie er die von ihm aktualisierte Monroe-Doktrin umsetzen will: Die USA wollen bis auf Weiteres die Kontrolle über Venezuela übernehmen, dem Land mit den größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt.

Monatelang hatte der US-Präsident nicht nur mit einem militärischen Einmarsch gedroht, sondern ließ mehr als 30 angebliche Drogenboote zerstören. Mindestens 115 Menschen sollen bei den als völkerrechtswidrig kritisierten Militärschlägen getötet worden sein. Kampfflugzeuge wurden losgeschickt, Öltanker gekapert. Begründet hat Trump das alles mit dem Vorwurf des „Narco-Terrorismus“, der sich nicht zuletzt auch konkret gegen Maduro richtet. Nun werden Maduro und seine ebenfalls gefangengenommene Frau Cilia Flores in den USA vor Gericht gestellt.

Vor einem Jahr, kurz vor Trumps Amtsantritt, hatte das Boulevardblatt „New York Post“ groß über die „Donroe-Doktrin“ berichtet, also der Neuinterpretation Donald Trumps der Monroe-Doktrin aus dem 19. Jahrhundert. Diese zeigte die Grundzüge einer langfristigen Außenpolitik auf und entwickelte sich im Laufe der Zeit zur Grundlage für den Anspruch, eine Vormachtstellung der USA für ganz Amerika zu sichern. Bebildert wurde der „New York Post“-Artikel mit einer veränderten Landkarte, die Trumps Ambitionen wiedergab: Grönland und Kanada gehören dabei zu den USA, ebenso der „PanaMAGA“-Kanal, eine Anspielung auf das „Make America Great Again“-Motto des US-Präsidenten.

Schon 2025 zeigte, dass der Wiederkehrer ins Weiße Haus Lateinamerika mehr im Blick hat als seine Vorgänger. So half Trump seinem argentinischen Verbündeten Javier Milei mit einer Milliardenspritze, eine wichtige Parlamentswahl zu gewinnen. Für das zentralamerikanische Honduras sprach er eine Wahlempfehlung zugunsten des rechten Kandidaten Nasry Asfura aus. Asfura gewann knapp.

Man knüpfe wieder an die Monroe-Doktrin an, verkündete Trump vor einem Monat in der neuen US-Sicherheitsstrategie. 1823 hatte der damalige Präsident James Monroe die Intervention europäischer Mächte in Lateinamerika als mögliche Gefahr für den Frieden und die Sicherheit seines Landes definiert. Ab 1898 und den Großteil des 20. Jahrhunderts hindurch marschierten die USA dann mit einer „Politik des dicken Knüppels“ immer wieder militärisch in die Länder ihres „Hinterhofs“ ein. Die letzte Invasion fand zum Jahreswechsel 1989/90 in Panama statt: Der vormalige Verbündete Manuel Noriega wurde im Rahmen des „Drogenkriegs“ festgenommen. Hunderte Menschen kamen ums Leben.

In der nationalen Sicherheitsstrategie der USA, die auch in Europa große Sorge ausgelöst hat, nimmt Lateinamerika die höchste Priorität ein. Das entsprechende Kapitel heißt „Der Trump-Zusatz zur Monroe-Doktrin“. Ausländische Mächte sollen zurückgedrängt werden, etwa von Häfen, wichtiger Infrastruktur und dem Kauf strategischer Rohstoffe. Hauptadressat ist China, das seit 2000 für viele Länder der Region zum wichtigsten Handelspartner geworden ist. Hierfür kündigten die USA eine Verstärkung ihrer militärischen Präsenz an.

Seine wirtschaftliche Macht lässt Trump auch anderswo zum Beistand für Verbündete spielen. So verhängte er 50-prozentige Strafzölle gegen Brasilien, weil dort der ultrarechte Ex-Präsident Jair Bolsonaro wegen seines Putschversuchs von 2003 vor Gericht stand. Der brasilianische Präsident Lula da Silva wehrte sich lautstark, nach mehreren Gesprächen mit Trump nahm dieser die Zölle auf viele brasilianische Produkte wieder zurück.

Mit einer ähnlichen Mischung aus Diplomatie und klaren Ansagen gelang es auch der mexikansichen Präsidentin Claudia Sheinbaum, Trumps Aggressionen auszubremsen: Sie geht härter gegen Drogenbosse und Migranten vor, weist aber die Präsenz von US-Truppen in Mexiko bestimmt zurück. In einer gemeinsamen Erklärung mit Lula, dem Kolumbianer Gustavo Petro, Gabriel
Boric aus Chile, dem Uruguayer Yamandú Orsi und dem spanischen Regierungschef Pedro Sánchez verurteilte sie den Angriff auf Venezuela als „gefährlichen Präzedenzfall“.

In US-Visier ist nun besonders Gustavo Petro. Nach jahrzehntelangem, von Washington aus diktiertem „Drogenkrieg“ wird in Kolumbien immer noch das meiste Kokain produziert. Donald Trump drohte am Samstag erneut, Petro solle „auf seinen Arsch aufpassen“.