Die Repräsentanten der Kirchen bei der Bundespolitik bekommen wegen ihrer harschen Kritik an der Union intern Gegenwind. Ihr Schreiben sei inopportun gewesen, kritisieren drei Leiter katholischer Büros in den Ländern.
Die scharfe Kritik der kirchlichen Repräsentanten in Berlin an den migrationspolitischen Plänen der Union schlägt kirchenintern weiter Wellen. Das legen Recherchen der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (Mittwoch) nahe.
Der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Karl Jüsten, und die evangelische Prälatin Anne Gidion hatten sich am 28. Januar per Mail gegen einen Entschließungsantrag der Unionsparteien zur Migrationspolitik gewandt. Sie warfen CDU und CSU kurz vor der Bundestagsabstimmung vor, ihr Vorgehen sei dazu geeignet, “alle in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten zu diffamieren, Vorurteile zu schüren” und “nicht zur Lösung der tatsächlich bestehenden Fragen” beizutragen. Zudem kritisierten sie, dass Fraktionschef Friedrich Merz (CDU) bereit sei, die Hilfe der AfD in Kauf zu nehmen.
In einem auf den 10. Februar datierten Brief an Jüsten und Gidion bezeichnen die Leiter der Katholischen Büros in Bayern, Bremen und Nordrhein-Westfalen das Schreiben der Prälaten an alle Bundestagsabgeordneten als “inhaltlich überzogen, parteipolitisch einseitig und inopportun”, wie die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” berichtet. Zuvor hatte es auch unterschiedliche Stimmen katholischer Bischöfe zu dem Schreiben Jüstens und Gidions gegeben.
Das Schreiben stammt von Matthias Belafi (München), Bernhard Stecker (Bremen) und Antonius Hamers (Düsseldorf). Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, und deren Generalsekretärin, Beate Gilles, wurden nach Informationen der Zeitung über das Schreiben in Kenntnis gesetzt.
Zwar liege die Stellungnahme inhaltlich auf der Linie der bisherigen Positionierung der Deutschen Bischofskonferenz, heißt in dem Brief der drei Leiter der Länderbüros. Aber der Wahlkampf hätte es erforderlich gemacht, “diese Inhalte in sachlicher Form politisch einzubringen und nicht durch ein mit drastischen und überzogenen Formulierungen zugespitztes Anschreiben in einseitiger Form Position in der öffentlichen Debatte zu beziehen”. Mit ihrer öffentlichen Kritik hätten die Berliner Prälaten keinen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt geleistet, sondern trügen zur Polarisierung und zur weiteren Entfremdung vieler bürgerlicher Mitglieder von der Institution Kirche bei.