Neben christlicher, jüdischer und bald auch muslimischer Militärseelsorge, wünschen sich Humanisten auch säkulare Angebote in der Bundeswehr – trotz großer Zufriedenheit der Soldaten mit der bestehenden Seelsorge.
Der Großteil der Bundeswehrsoldaten ist laut einer aktuellen Umfrage mit der religiösen Seelsorge in der Truppe zufrieden. Dennoch fordert der Humanistische Verband Deutschlands die Einführung eines säkularen Angebots. “Wir hoffen, dass sie bald kommen wird, angesichts der Lage, dass die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland keiner Religion mehr angehört”, sagte der Verbandsbeauftragte für humanistische Seelsorge, Sven Thale, am Freitag dem Deutschlandfunk in Köln.
Laut der am Dienstag vorgestellten Studie der Evangelischen Militärseelsorge befürworten 91 Prozent der repräsentativ befragten Soldaten religiöse Seelsorge – in Auslandseinsätzen sogar 95 Prozent. Für Thale zeige das zwar, wie wichtig die Angebote sind. “Aber was nicht abgefragt wurde, ist die weltanschauliche Passgenauigkeit. Wenn man nur danach fragt, finden Sie es wichtig, dass es Militärseelsorge gibt, dann werden die Soldaten natürlich weiterhin mit Ja antworten.” Allerdings hätten die Soldaten aktuell auch keine weltlichen Alternativen.
Ein humanistisches Angebot sei wichtig für alle, die ihr Leben nicht religiös gestalten. “Im Mittelpunkt der Seelsorge steht immer der einzelne Mensch, mit seinen Konflikten, Erfahrungen und Zweifeln”, so Thale. Zudem gehe es um moralische Dilemmata. Die humanistische Seelsorge bearbeite diese Themen ohne religiöse Bindung. Ziel sei es, einen offenen Raum zu schaffen, in dem man vertraut miteinander reden kann, in einem Umfeld mit gleichen moralischen Vorstellungen.
Säkulare Angebote können nach Ansicht Thales auch beim Werben um mehr Soldaten helfen. “Das wäre außerordentlich positiv, wenn man den Menschen, die sich entschieden haben, ihr Leben ohne religiöse Bezüge zu führen, das Signal geben würde: Ihr seid gesehen, ihr seid anerkannt.”
In Nachbarstaaten, wie den Niederlanden, Großbritannien und Belgien, gebe es bereits säkulare Seelsorge, die von Soldaten auch genutzt werde. In Deutschland sei das Thema noch neu – und daher nicht im politischen Fokus. Thale zeigte sich aber zuversichtlich, dass humanistische Seelsorge in der Bundeswehr eines Tages real werden könnte.