Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin und ehemaligen US-Finanzminister W. Michael Blumenthal für seine Verdienste gewürdigt. Anlass ist dessen 100. Geburtstag am Samstag (3. Januar). Steinmeier erklärte am Freitag in Berlin, Blumenthal habe mit dem Museum vor fast 25 Jahren den Grundstein zu einem lebendigen Ort des Dialogs und der Reflexion über jüdische Geschichte und Gegenwart mit jährlich mehreren hunderttausend Besuchern gelegt.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) würdigte Blumenthal als engen und guten Freund der Stadt. Mit seinem Lebensweg und seinem Wirken sei Blumenthal ein herausragender Botschafter Berlins, erklärte Wegner am Freitag. Unter seiner Führung sei das Jüdische Museum zu einer der bedeutendsten Kultureinrichtungen der Stadt und zu einem Leuchtturm jüdischen Lebens in Deutschland geworden. Wegner hatte bereits am 1. Dezember vergangenen Jahres zu Ehren des Jubilars im Roten Rathaus ein Essen gegeben.
Blumenthal wurde am 3. Januar 1926 in Oranienburg geboren. Er wuchs in Berlin auf und floh als Dreizehnjähriger mit seiner jüdischen Familie 1939 vor den Nationalsozialisten nach China. 1947 emigrierte er in die USA und wurde dort unter anderem Wirtschaftsprofessor, Manager und Politiker. Von 1977 bis 1979 war er US-Finanzminister unter US-Präsident Jimmy Carter (1924-2024). Bis Herbst 2014 war Blumenthal Direktor des 2001 eröffneten Jüdischen Museums Berlin.
Steinmeier betonte, stets sei es Blumenthals Anliegen gewesen, „aufzuzeigen, wie tief Jüdinnen und Juden über die Jahrhunderte in Deutschland verwurzelt waren und welchen großen Beitrag sie zu dessen Entwicklung und Aufstieg zu einer modernen Nation geleistet hatten“. Zudem treibe ihn die Frage um, wie und warum jene „unsichtbare Mauer“ errichtet wurde, die Juden von Nichtjuden trennte, mit Verfolgungen bis hin zum Holocaust.
Steinmeier würdigte Blumenthal als „großartigen Botschafter der deutsch-amerikanischen Verständigung“. Trotz seiner bitteren Erfahrungen habe er Deutschland nie den Rücken gekehrt und Berlin reich beschenkt, wenn auch die USA seine neue Heimat geworden seien, betonte der Bundespräsident. Blumenthal veröffentlichte 1999 eine Familienbiografie mit dem Titel „Die unsichtbare Mauer: Die dreihundertjährige Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie“.