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Bischöfe mahnen mehr Gemeinsinn an

Leitende Geistliche der evangelischen und katholischen Kirche in Rheinland-Pfalz und Hessen haben am ersten Weihnachtstag zum Zusammenhalt aufgerufen. Die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst bezeichnete am Donnerstag bei einem Gottesdienst in der Speyerer Gedächtniskirche Weihnachten als „eine Art Trotzreaktion der Hoffnung“. Mit Weihnachten komme ein Licht in die Welt, das die Schatten des Leids durchbreche.

Ein nicht enden wollender Strom schlechter Nachrichten werfe Schatten in viele Seelen, sagte Wüst. An Weihnachten entzünde aber Gott sein Licht dort, wo es dunkel sei. Dieses Licht gebe die Hoffnung, „dass es gut werden kann“.

Der Speyerer katholische Bischof Karl-Heinz Wiesemann rief in seiner Predigt im Speyerer Dom dazu auf, sich für ein gutes Miteinander in der Gesellschaft einzusetzen. „Ja, wir müssen aufwachen und die humanitäre Vision unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft in Stolz und Würde verteidigen“, sagte Wiesemann. Dies müsse „mit genau den Mitteln“ geschehen, „die unsere Gesellschaft human und unser Miteinander solidarisch machen“.

Auf dem Weg zu einer friedlichen und solidarischen Gesellschaft sei eine „unbändige Liebe zum Menschen“ nötig, sagte Wiesemann. Um sie „in aller Widrigkeit dieser Welt durchzutragen“, brauche es aber „den Rückenwind Gottes“, das „Bild des göttlichen Kindes in unserer Seele“.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, rief zu Solidarität mit den Schwachen und Generationengerechtigkeit auf. Er sehe die um sich greifenden Tendenzen der Abschottung kritisch, sagte der Limburger Bischof in seiner Predigt im Limburger Dom. Der Sozialstaat lebe davon, „dass die Generationen füreinander einstehen und die Gesunden für die Kranken, die Starken für die Schwachen“.

Weihnachten erinnere daran, dass jeder Mensch Teil eines größeren Ganzen sei und Verantwortung trage, sagte Bätzing. Mit der Menschwerdung Gottes sei eine neue Dynamik in die Welt gekommen – ein wehrloses Kind als Alternative zu Macht und Gewalt.

Die Liebe sei der Sinn des Lebens und gebe Hoffnung für die Welt, sagte der katholische Mainzer Bischof Peter Kohlgraf in seiner Predigt im Mainzer Dom. „Wer sich geliebt weiß wird nie sagen können: Es ist alles schlecht, absurd und sinnlos“, sagte er. Trotz der Erfahrung auch des Bösen, der Lüge, des Hasses und von Krankheit und Tod sei er überzeugt, „dass das Gute stärker ist als das Böse“, sagte Kohlgraf.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann rief in seiner Predigt im Trierer Dom dazu auf, das Staunen nicht zu verlernen. Staunen sei auch „ein wichtiges Gegenmittel gegen das, was uns oft genug im Alltag überkommt: Erschrecken“, sagte Ackermann. Staunen meine „eine Begeisterung und eine Bewunderung, die weit über ein schlichtes Sich-Wundern“ hinausgehe. Zu diesem Staunen lade Weihnachten ein.

Der katholische Bischof in Fulda, Michael Gerber, nannte in seiner Predigt im Fuldaer Dom das Mitgefühl als die entscheidende Stärke des Menschen. Empathie bedeute, ein Leben lang nach einem möglichst unverstellten Zugang zu den eigenen Leidenschaften und Leidenserfahrungen zu suchen. Gerber widersprach dem US-amerikanischen Milliardär Elon Musk, der die Empathie als fundamentale Schwäche der westlichen Zivilisation bezeichnet hatte. Die Menschwerdung geschehe dort, wo sich Menschen wechselseitig wahrnehmen und ernstnehmen, sagte der Bischof.