Die ehemalige saarländische Ministerpräsidentin hatte sich aus der Politik zurückgezogen. Nun kommt sie nach langer CDU-Karriere an die Spree zurück. Und gewinnt internationalen Einfluss.
Annegret Kramp-Karrenbauer ist mit sich im Reinen, so sagt sie selbst. Mit kleinem Rucksack auf dem Rücken ist die 63-Jährige von Zeit zu Zeit im politischen Berlin unterwegs. An der Spree hat sie gute, aber auch harte Jahre in der CDU, im Bundestag und als Bundesministerin erlebt. Nun wird sie wieder öfter in der Hauptstadt sein – mit größerem Gepäck. Sie übernimmt die Nachfolge von Norbert Lammert (CDU) und wird Chefin der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Am Freitag setzte sie sich mit 28 Stimmen bei einer Enthaltung gegen den CDU-Abgeordneten und rechtspolitischen Sprechers der Unions-Fraktion, Günter Krings, durch, der 21 Stimmen erhielt. Krings war auf Vorschlag von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ins Rennen gegangen.
Noch vor wenigen Monaten sprach die Saarländerin, die sieben Jahre an der Spitze des Bundeslandes stand, in Interviews von ihrem Zugewinn an Privatleben mit ihrem Mann seit ihrem Rücktritt als Parteivorsitzende, von der Nähe zu ihren drei erwachsenen Kindern, der Freiheit zu reisen. Aber, so betonte sie auch in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), sie sei und bleibe ein politischer Mensch.
Zuletzt engagierte sie sich ehrenamtlich in zivilgesellschaftlichen Initiativen. Nun rückt der politische Teil erneut in den Vordergrund. AKK, wie sie von vielen genannt wird, übernimmt die Führung der für die CDU wichtigen politischen Organisation, der Konrad-Adenauer Stiftung (KAS).
Die KAS ist mit etwa 600 Mitarbeitern in Deutschland und weiteren 1.000 in rund 120 Büros weltweit ein sprichwörtlicher “Global Player”, dem Hochachtung und Wertschätzung entgegengebracht wird. Dazu tragen auch Stipendiatinnen und Stipendiaten der KAS bei. Jährlich fördert die Stiftung rund 3.500 junge Menschen. Durch politische Bildung will die KAS national und international die freiheitliche Demokratie, soziale Marktwirtschaft und eine Festigung des Wertekonsenses fördern und bewahren.
Wer an der Spitze der Stiftung steht, hat Einfluss. Den Posten kann man vielleicht auch mit dem des deutschen Vatikanbotschafters vergleichen: Es ist auch eine Ehrung zum oder nach Abschluss der politischen Karriere. Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel verhalf etwa ihrer treuen Begleiterin und Ex-Bundesministerin Annette Schavan zu diesem Botschafterposten. Im Anschluss an diese Tätigkeit erhielt allerdings Lammert und nicht Schavan den Zuschlag für den KAS-Vorsitz. Merkel selbst trat vor zwei Jahren ganz aus der Stiftung aus – für viele CDU-ler ein Affront.
Nun also steht Kramp-Karrenbauer an der Spitze der KAS. Die studierte Politikwissenschaftlerin verbindet viel mit der Ex-Kanzlerin: Beide sind pragmatisch, bodenständig und unprätentiös. Als ehemalige Bundesverteidigungsministerin kennt sie zudem das außenpolitische Terrain. Sie war CDU-Generalsekretärin mit einem formidablen Wahlergebnis von 99 Prozent und gut zwei Jahre CDU-Parteivorsitzende. Auch wenn ihr der höchste Parteiposten, den sie 2018 knapp gegen Merz gewann, nicht viel Glück brachte, ist sie nicht nur in der CDU weithin bekannt und geachtet. Sie hält die christlichen Traditionen und Werte in der Partei hoch, deutlich stärker als Merkel es tat.
Viele Jahre war sie Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken (ZdK). Als bekennende Katholikin gesellte sich Kramp-Karrenbauer dort über die Jahre zu CDU-Größen wie der amtierenden Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Ex-Kulturstaatsministerin Monika Grütters oder dem Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Daniel Günther. Für sie sei es “die ureigenste Aufgabe der Kirchen, sich in die Welt einzumischen”. Im KNA-Interview fügte Kramp-Karrenbauer hinzu: “‘Wir sind das Salz der Erde’ ist ja nicht einfach nur so daher gesagt.”
Zugleich dürfe die Kirche keine beliebige Nichtregierungsorganisation oder ein “abgehobenes Eliteprojekt” werden. “Kirche sollte klare Positionen beziehen, aber dabei auch Menschen, die anders denken, berücksichtigen.” Eine Haltung, die auch Bundestagspräsidentin Klöckner immer wieder betont.
Letztlich führte dieser Ansatz, den sie vertritt, auch zum Bruch mit dem katholischen Laienkomitee. Als das ZdK Anfang des Jahres den schärferen Migrationskurs von CDU-Chef Merz – bei zwei Abstimmungen nahm diese auch die mögliche Zustimmung der AfD in Kauf -, sehr deutlich kritisierte, entschied sich Kramp-Karrenbauer auszutreten. Die Wogen zwischen dem höchsten repräsentativen Laiengremium der katholischen Kirche in Deutschland und ihr dürften sich in den vergangenen Monaten geglättet haben. Und in der Kirche will sich Kramp-Karrenbauer weiter engagieren – künftig dann als KAS-Vorsitzende.