Die frühere EKD-Ratsvorsitzende will, dass “wir nicht kriegstüchtig, sondern endlich friedensfähig werden”. Doch wer dies fordere, werde heute schnell diffamiert.
Die evangelische Theologin Margot Käßmann wirbt dafür, “in einer Zeit, in der wir kriegstüchtig werden sollen”, für Frieden einzutreten. Diejenigen, die dies täten, würden aber schnell diffamiert als “Putin-Versteher, naiv oder Sofapazifisten”, sagte sie laut Manuskript am Sonntag in ihrer Predigt zum Start der Aktion Vesperkirche in Stuttgart.
Man müsse die Hoffnung wachhalten, “dass Friede möglich ist, Waffen schweigen können, wir nicht kriegstüchtig, sondern endlich friedensfähig werden”, betonte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Eine solche Haltung gelinge, indem man nicht von Abschreckung, sondern von Versöhnung, nicht von Aufrüstung, sondern von Abrüstung spreche und Feindbilder abbaue. Das sei am Ende “die Zeitenwende Jesu”, weg von der ewigen Spirale der Gewalt – hin zum Frieden.
Käßmann distanzierte sich damit erneut von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), der erstmals im Oktober 2023 einen Mentalitätswechsel in der deutschen Gesellschaft hin zu einer wehrhafteren Nation gefordert und betont hatte: “Wir müssen kriegstüchtig werden. Wir müssen wehrhaft sein und die Bundeswehr und die Gesellschaft dafür aufstellen.”
Die evangelische Leonhardskirche in Stuttgart ist bis 7. März sieben Wochen lang zur Vesperkirche umgestaltet, in der Bedürftige täglich ein Essen bekommen und sich ausruhen können.