„Teesus verwandelt Wasser in Tee.“ In welchem Kontext dieses Wortspiel entstanden ist, weiß Tobias Hahn nicht mehr ganz genau. Die Idee für Teesus, eine Teemarke, die um die Ecke denkt, habe den Grafikdesigner nicht mehr losgelassen, weil ihm immer neue Wortspiele zu Theologie, Testamenten oder den Zehn Geboten in Zusammenhang mit Tee eingefallen sind. „Ich mache viel Marketing und Werbung und habe angefangen, mir ein Konzept zu überlegen.“
Weil die Idee „zu gut für die Schublade“ war, habe er das Projekt Ende 2019 selbst in die Hand genommen und die Teemarke Teesus gegründet. „Ich hatte weder Erfahrung in der Unternehmensgründung, noch mit Teeproduktion“, sagt Hahn. Ein neues Produkt zu entwickeln und zu bewerben, sei für ihn eine Herausforderung gewesen. „Sonst mache ich das für Kunden.“
Ein passionierter Teetrinker sei er nicht gewesen. Mit der Zeit habe er aber viel über die Teeproduktion und Anbaugebiete gelernt. Zusammen mit einem Teeproduzenten aus der Nähe von Hamburg seien dann fünf biozertifizierte Sorten für Teesus entstanden. „Wir haben gemeinsam Teeverkostungen gemacht und die Sorten so definiert, wie sie jetzt sind.“
Vom Früchtetee bis Schwarztee mit Symbolkraft
Neben der Pfefferminz-Kräuter-Mischung „Kräuzigung“ und der Früchteteemischung „Ernteedank“ gibt es einen klassischen schwarzen Ostfriesentee mit dem Namen „Aufersteehung“ und den Grüntee „Orteedox“. Etwas exotischer sei der „Sakramentee“, erklärt Hahn. „Ein Früchtetee mit Kurkuma und Orange, der mir bei der Verkostung selber gut gefallen hat, und wo ich dachte, dass man ihn gerne ausprobiert.“
Tobias Hahn stammt aus einer Familie mit vielen Theologinnen und Theologen. „Das erklärt schon, wo der Ursprung liegt“, sagt er mit Blick auf die religiösen Wortspiele seiner Marke. Da er sich von der Idee zu Teesus nicht abbringen lassen wollte, habe er sich zunächst „nicht so richtig getraut“ mit seinen Eltern, beide Theologen, über die Idee zu sprechen. Doch wenngleich sie zunächst etwas irritiert waren, konnten sie schnell darüber lachen. „Sie verschenken den selber gern und haben, um in der Analogie zu bleiben, ihren Segen geben.“
Tee und Glaube: Wenn Humor auf Kritik trifft
Alle paar Wochen bekomme Hahn mal eine „weniger wohlwollende“ Rückmeldung zu Teesus. Den allermeisten antworte er, außer es handle sich um Beleidigungen. „Das sind Menschen, die nicht darüber lachen können, mir Böswilliges unterstellen, nahelegen, mal in der Bibel zu lesen, oder mir Bibelzitate schicken.“ Es gebe auch Kritiker, die anerkennen, dass er sich mit der Bibel beschäftigt haben müsse, um sich so etwas auszudenken.
Tobias Hahn glaubt, dass ein bisschen religiöses Vorwissen nötig sei, damit die Wortspiele seiner Tees verstanden werden. Etwa die „Zehn Teebote“, eine Art Anleitung für den Teegenuss, die an das biblische Vorbild angelehnt sind. Das siebte Teebot etwa lautet: „Du sollst deinem Nächsten stets anbieten eine Tasse Tee.“ Bei Begrifflichkeiten wie den „Zehn Geboten“ oder den „Drei Königen“ ahnen viele Menschen aufgrund des kulturellen Gedächtnisses sicher schon etwas, sagt Jörg Pegelow, Referent für Weltanschauungsfragen der evangelischen Nordkirche.
Für Pegelow ist es eine Geschmacksfrage, ob Menschen solche Wortspiele lustig finden oder nicht. „Religiöse Motive wie der Garten Eden oder religiös-historische Personen sind in der Werbung durchaus üblich und nichts Neues“, erklärt er. Am Ende könne so etwas auch ein Anlass zur Selbstreflexion darüber sein, an welchen Stellen Ernsthaftigkeit, sowohl persönlich als auch gesamtgesellschaftlich, zwingend notwendig ist. „Ich hoffe, dass unser Gott genug Humor dafür hat“, sagt Pegelow.
Tee als Symbol für Leichtigkeit und Lebensfreude
Es gebe viele positive Rückmeldungen, „durchaus auch aus kirchlichen Kreisen“, sagt Hahn. „Das sehe ich unter anderem an den Bestelladressen.“ So hat etwa das Erzbistum Hamburg 2023 seine Sorte „Aufersteehung“ bestellt und zu Ostern verlost. Der katholische Hamburger Erzbischof Stefan Heße ist als Kölner mit dem Karneval und dem Thema Humor auf besondere Weise verbunden. „Und ich glaube unbedingt, dass Gott uns den Humor als Gabe und gewissermaßen auch als Auftrag geschenkt hat.“ Lachen und Fröhlichkeit schenken auch in schweren Zeiten etwas Leichtigkeit im Leben, sagt Heße. „Es erinnert uns auch daran, uns selbst nicht zu ernst zu nehmen. Wo Menschen lachen, ist Hoffnung spürbar.“
Provozieren möchte Tobias Hahn mit Teesus nicht, wenngleich es Menschen gibt, die ihm genau das unterstellen. „Die Teestamente sind für alle da, für Teeologen ebenso wie für Ateeisten“, betont Hahn, der sich selbst als jemanden beschreibt, der gerne lacht und andere zum Lachen bringt. „Lachen und Humor sind elementar und wertvoll. Sie sind ein wunderbares Geschenk, das das Leben reicher macht.“ Auch missionieren möchte er mit seinem Tee niemanden, stellt Hahn klar. „Wenn überhaupt Mission, dann für Humor und Lachen.“
