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Täglich infizieren sich Menschen mit Lepra

Lepra – das klingt nach Mittelalter. In Afrika, Asien und Lateinamerika ist die Infektionskrankheit noch immer grausame Realität. Um das zu ändern, braucht es Gelder und politischen Willen.

Trotz medizinischer Fortschritte fehlt vielerorts die Unterstützung im Kampf gegen Lepra
Trotz medizinischer Fortschritte fehlt vielerorts die Unterstützung im Kampf gegen LepraImago / Medicimage

Anlässlich des Weltlepratags am kommenden Sonntag hat die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe DAHW mit Sitz in Würzburg mehr Aufmerksamkeit für die Infektionskrankheit gefordert. Es mangele an finanziellen Ressourcen und politischem Willen, kritisierte Anil Fastenau, Arzt und Berater für Globale Gesundheit und Forschung bei der Organisation, im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Den Angaben zufolge gab es im Jahr 2024 weltweit mehr als 172.000 Neuinfektionen. Die Organisation geht von 471 Neuinfektionen pro Tag aus.

Zwar werde mit LepVax an einem Impfstoff gearbeitet. “Aber die Entwicklung dauert einfach viel zu lange und wird auch nicht sonderlich schnell vorangetrieben wie bei anderen Erkrankungen”, so Fastenau. Als Gegenbeispiel nannte er die zügige Entwicklung eines Corona-Impfstoffs während der Pandemie. Von dieser war besonders der Globale Norden betroffen.

Fehlende Lobby erschwert globalen Kampf gegen Lepra

Bei Lepra fehle jedoch eine Lobby. Die Krankheit betreffe den Globalen Süden und auch dort die ärmsten Menschen. Sie würden kaum Zugang zum Gesundheitssystem haben und aus Angst vor Stigmatisierung nicht immer oder spät Hilfe suchen. Als weitere Herausforderung nannte Fastenau sinkende finanzielle Ressourcen. Krankheiten würden miteinander konkurrieren, und Länder des Globalen Südens müssten sich darauf einstellen, dass immer weniger Gelder von außen kommen. Die Verantwortlichen müssten stark priorisieren, so Fastenau.

Besonders Arme und Ausgegrenzte leiden unter der vernachlässigten Krankheit
Besonders Arme und Ausgegrenzte leiden unter der vernachlässigten KrankheitImago / Mario Schmitt

Allerdings waren in den vergangenen Jahrzehnten laut DAHW auch zahlreiche Erfolge zu verzeichnen. So konnten in Pakistan, wo die Organisation seit Jahrzehnten arbeitet, innerhalb von 20 Jahren die Fallzahlen um 84 Prozent verringert werden. Für frühzeitige Diagnosen werde derzeit die Belle.ai-App getestet.

Weltlepratag erinnert an vernachlässigte Tropenkrankheit

Der norwegische Arzt Gerhard Armauer Hansen entdeckte Lepra – ausgelöst vom Mycobacterium leprae – im Jahr 1873. Der Erreger befällt die Haut und das Nervensystem und zerstört diese. Neben Flecken auf der Haut kommt es zu Behinderungen, wird die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt und behandelt. Dafür führte die Weltgesundheitsorganisation WHO 1982 eine zeitlich begrenzte Kombinationstherapie mit Rifampicin, Dapson, Clofazimin ein, was zwischen sechs und zwölf Monate eingenommen werden muss. Vorsorglich behandelt werden müssen auch Kontaktpersonen der Infizierten. Die WHO zählt Lepra zu den 20 vernachlässigten Tropenkrankheiten. Immer am letzten Sonntag im Monat Januar ist Weltlepratag.