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Studie: Viele schätzen das eigene Chat-Verhalten falsch ein

Der Kumpel chattet nur in Emojis, während man selbst stets ausführlich antwortet? Oder das schlechte Gewissen plagt, weil man im Gruppenchat nicht mehr mitkommt? Diese Eindrücke können trügen, wie eine neue Studie zeigt.

WhatsApp und Co. gehören für die meisten Menschen zum Alltag dazu – doch viele täuschen sich offenbar bezüglich ihres eigenen Kommunikationsverhaltens. Das zeigt eine Studie auf Basis von Datenspenden, wie die Universität Bielefeld am Dienstag mitteilte. “Manche glauben, sie antworten zu langsam, andere meinen, sie schreiben immer mehr als andere”, sagte Studienautorin Olya Hakobyan. Laut den Daten stimmten diese Annahmen aber häufig nicht – und verzerrte Wahrnehmung könne Beziehungen belasten.

Bislang habe die Forschung zu Messaging-Verhalten meist auf Befragungen beruht, hieß es weiter. Diese Selbstauskünfte seien jedoch “subjektiv und oft unzuverlässig”. Über eine eigene Plattform anonymisiert das Bielefelder Forschungsteam demnach Metadaten von WhatsApp, also Informationen wie Antwortzeiten oder Nachrichtenlängen, und bereitet diese in individuellen Visualisierungen auf. Die Teilnehmenden können darauf sehen, wie ihr tatsächliches Verhalten im Vergleich zu ihrer Einschätzung aussieht.

Dies habe zu einer realistischeren Selbsteinschätzung geführt, so die Fachleute. So hätten viele Teilnehmende “ihr Bild von ihrer Antwortgeschwindigkeit deutlich” korrigiert; ihre Stimmung sei zugleich stabil geblieben. Persönliche Visualisierung könne also helfen, das eigene Verhalten bewusster zu gestalten – was weit über alltäglichen Austausch in Messenger-Diensten hinausgehe: “Wer sein Kommunikationsmuster besser versteht, kann digitale Beziehungen langfristig achtsamer und zufriedener leben.”

Die Ergebnisse wurden laut Angaben im Fachjournal “Computers in Human Behavior” veröffentlicht. Sie beruhen auf Datenspenden aus über 300 WhatsApp-Chats, deren Metadaten bislang 68 Teilnehmende gespendet haben. Eine Teilnahme ist weiterhin möglich und erfolgt den Angaben zufolge anonymisiert, also ohne Namen, Inhalte oder Nachrichten.