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Stiftung Patientenschutz: Serienmörder in Pflege und Medizin stoppen

Ihre Opfer sind Schwache, Kranke und Sterbende: Immer wieder sorgen mordende Mitarbeitende in Pflege und Kliniken für Entsetzen. Doch fehlende Kontrolle mache es den Tätern leicht, sagt ein Patientenschützer.

Bessere Prävention und Schutzmechanismen gegen Morde in Medizin und Pflege fordert der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Nirgendwo sonst könnten Serientäter so leicht und unauffällig morden wie in diesen Bereichen, sagte Brysch der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (Samstag). Das zeigten jüngste dramatische Fälle aus Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen, wo derzeit ein mutmaßlicher Täter im Verdacht steht, für mehr als 100 Morde verantwortlich zu sein. “Die Zahl der Todesopfer ist höher als die im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität”, so Brysch. Opfer von Serientätern in Medizin und Pflege seien meist Pflegebedürftige, Schwerstkranke und oft Sterbende.

Er fordert Schwerpunktstaatsanwaltschaften, um Muster frühzeitig zu erkennen und konzentriert Ermittlungsdruck aufzubauen. Bayern habe eine Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen, Hessen eine Zentralstelle Medizinwirtschaftskriminalität. “Wenn es um Geld geht, gibt es also Schwerpunktstaatsanwaltschaften. Warum nicht, wenn es um Menschenleben geht?”

In Kliniken und Pflegeheimen brauche es “eine Kultur des Hinschauens”, die aktiv gelebt und trainiert werde, sagte Brysch weiter. Auffällige Mitarbeitende würden oft mit guten Arbeitszeugnissen an eine andere Einrichtung weggelobt. “Weil das Gesetz bei Kündigungen sehr arbeitnehmerfreundlich ausgestaltet ist, haben Arbeitgeber oft kein Interesse an arbeitsrechtlichen Streitigkeiten.”

Zudem müsse die Vergabe von Medikamenten durch eine digitale Medikationsdokumentation kontrolliert werden. “Unfassbar, dass dies in Deutschland nicht schon längst Standard ist”, so Brysch. Besondere Gefahren sieht er in der häuslichen Pflege, wo 87 Prozent aller Pflegebedürftigen von Angehörigen oft aufopferungsvoll versorgt würden. Dort hätten es Täter aber auch leicht.

Brysch fügte hinzu, die allermeisten Menschen entschieden sich heute für die Einäscherung statt einer Erdbestattung. “Umso wichtiger ist die von der Deutschen Stiftung Patientenschutz schon lange erhobene Forderung nach verpflichtenden amtsärztlichen Leichenschauen bei Todesfällen in der stationären und ambulanten Pflege.”