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Silvesternacht friedlicher als zuletzt – Ruf nach Böllerverbot

Die Silvesternacht ist in Deutschland offenbar friedlicher verlaufen als in manchen Vorjahren. Dennoch pochen Umweltschützer und Polizei weiterhin auf ein Verbot von privatem Feuerwerk.

Wer böllert, sollte zumindest an den Kosten fürs Aufräumen beteiligt werden: Das fordert der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Jörg-Andreas Krüger. Grundsätzlich sei der Verband für zentralisierte Profi-Feuerwerke, sagte Krüger im Interview des Portals T-Online am Donnerstag.

Auch in diesem Jahr habe man wieder “einen riesigen Ausstoß von umweltschädlichen Chemikalien gesehen, wir sehen eine hohe Feinstaubbelastung und jede Menge Müll”, fügte der Nabu-Chef hinzu und verwies zudem auf negative Folgen von Feuerwerk für Wild- und Haustiere. “Deshalb braucht es ein bundesweites Verbot von China-Böllern und Knallkörpern. Und zwar schnellstmöglich.”

Die Deutsche Umwelthilfe bezeichnete die Bilanz der Silvesternacht als verheerend. In Bielefeld waren laut Medienberichten zwei Jugendliche bei Unfällen mit selbst gemachter Pyrotechnik ums Leben gekommen; in Berlin und anderen Großstädten kam es zu krawallartigen Szenen. “Millionen Menschen und Tiere waren der extremen Luftverschmutzung, dem Lärm und der Panik schutzlos ausgeliefert”, kritisierte die Umwelthilfe. So habe der Feinstaub-Spitzenwert etwa in München bei 1.458 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gelegen – der Tagesgrenzwert liegt laut Bundesumweltamt bei 50.

Gemeinsam mit 65 weiteren Organisationen fordert die Umwelthilfe ein bundesweites Böllerverbot; dazu zählen etwa die Gewerkschaft der Polizei, die Bundesärztekammer, der Deutsche Tierschutzbund sowie das Kinderhilfswerk. Verbotszonen und Appelle seien gescheitert, mahnte der Geschäftsführer der Umwelthilfe, Jürgen Resch, und fügte hinzu: “Ein bundesweites Böllerverbot ist rechtlich einfach umsetzbar und von der Mehrheit der Menschen gewollt.”

Sollte kein Verbot für privates Feuerwerk kommen, plädiert Nabu-Chef Krüger für Alternativen: “Wenn man eine Feiermeile hat wie in Berlin, muss man darüber diskutieren, ob man über die Ticketpreise auch die Müllentsorgung auf dieser Meile mitfinanziert.” Es sei unfair, wenn Menschen sich allein auf ihre Freiheit beriefen, sagte Krüger: “Dann muss ich die Kosten dafür auch tragen.” Dabei gehe es nicht um einen “Obrigkeitsstaat”. Die Gesellschaft müsse sich jedoch fragen, “wie wir damit umgehen, dass Polizei, Rettungskräfte und Entsorger der Lage an Silvester zunehmend nicht mehr Herr werden”.

Die Gewerkschaft der Polizei forderte härtere Strafen für Angriffe mit Böllern. Schon vor Mitternacht sei es am Silvesterabend zu zahlreichen Festnahmen gekommen, sagte der Gewerkschafts-Vorsitzende Andreas Roßkopf dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Vielerorts seien Polizeibeamte attackiert worden, ebenso habe es Sachbeschädigungen gegeben. Insbesondere beim Einsatz von sogenannten Kugelbomben drohe gefährliche Körperverletzung. “Menschen, die solche Taten begehen, nehmen absolut in Kauf, andere zu verletzen.”