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Rostock: Workshop zu “Antisemitismus in Kunst und Kultur” geplant

Für Kunst- und Kulturschaffende gibt es am 21. Januar im Rostocker Max-Samuel-Haus einen fünfstündigen Praxis-Workshop zum Thema „Antisemitismus in Kunst und Kultur – Erkennen, Reflektieren, Handeln“. Wie die Dokumentations- und Informationsstelle Antisemitismus Mecklenburg-Vorpommern (DIA.MV) als Mitveranstalterin dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag mitteilte, beginnt Antisemitismus nicht erst mit physischer Gewalt gegen Jüdinnen und Juden, „sondern setzt häufig viel früher an“. Er manifestiere sich bereits in der Art und Weise, wie Jüdinnen, Juden und Judentum dargestellt und wie über sie gesprochen werde, hieß es.

In Karikaturen würden Jüdinnen und Juden „etwa durch antisemitische Stereotypen als gierig, hinterlistig, reich“ dargestellt, oft kombiniert mit physiognomischen Zuschreibungen. Durch die unkritische Verbreitung solcher Bilder und Darstellungen könnten sich diese Vorstellungen in der Gesellschaft verfestigen. Dies gelte auch für die Sprache, wenn etwa „du Jude“ als Beleidigung verwendet werde oder Jüdinnen und Juden „kollektiv bestimmte, meist negative, Eigenschaften zugeschrieben werden“.

Vielfach würden dabei auch antisemitische Codes verwendet, wenn etwa über „die Rothschilds“ gesprochen werde, welche hinter angeblichen Verschwörungen stehen sollen, hieß es von der Meldestelle DIA.MV. Aber auch strukturell könne sich Antisemitismus zeigen, wenn beispielsweise Jüdinnen und Juden „institutionell benachteiligt werden oder antisemitische Vorfälle bagatellisiert werden“.

„Wichtig ist: Handeln ist immer besser als nicht handeln“, erklärte DIA.MV. „Wenn man mitbekommt, wie antisemitische Aussagen getroffen oder entsprechende Bilder verbreitet werden, ist es entscheidend, den Antisemitismus klar zu benennen und ihm zu widersprechen.“ Antisemitische Vorfälle müssten ernst genommen und Betroffene konsequent unterstützt werden.

Für eine nachhaltige Bekämpfung von Antisemitismus seien zudem Bildungs- und Sensibilisierungsangebote wichtig sowie klar festgelegte Ansprechpersonen für Betroffene in den eigenen Strukturen und Organisationen. Eine weitere Möglichkeit sei, erlebte antisemitische Vorfälle bei der DIA.MV zu melden. Betroffene, Angehörige und Zeugen von antisemitischen Vorfällen könnten Vorfälle über www.dia-mv.de mitteilen und erhielten auf Wunsch Unterstützungsangebote.

Die Dokumentations- und Informationsstelle Antisemitismus in MV hatte nach eigenen Angaben im Jahr 2024 insgesamt 92 antisemitische Vorfälle in MV dokumentiert. Das waren laut DIA.MV 77 Prozent mehr als im Vorjahr (2023: 52 Vorfälle). Die Vorfälle reichten von verbalen Anfeindungen im öffentlichen Raum über Schmierereien an Gedenkorten bis hin zu gezielten Angriffen, hieß es.