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Rosenmontag: Tilly plant “Spott und reichlich Humor” auch gegen Putin

Trotz eines laufenden Prozesses in Moskau bleibt Jacques Tilly unbeirrt. Der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer nutzt Satire als Antwort auf Angst, Krieg und Propaganda.

Tilly bleibt mutig: Seine Karnevalssatire stellt Despoten bloß und stärkt das Vertrauen in demokratische Werte
Tilly bleibt mutig: Seine Karnevalssatire stellt Despoten bloß und stärkt das Vertrauen in demokratische WerteImago / Oliver Langel

Trotz eines Gerichtsverfahrens in Moskau will der Bildhauer und Karnevalswagenbauer Jacques Tilly auch in diesem Jahr den russischen Präsidenten Wladimir Putin aufs Korn nehmen. „Angst ist ein schlechter Ratgeber für Humoristen und Satiriker“, sagte der 62-jährige Künstler dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Düsseldorf. Trotz des Verfahrens in Russland gegen ihn setze er „auf die Kraft der Satire“. Die politischen Mottowagen beim diesjährigen Düsseldorfer Rosenmontagszug würden „mit den Mitteln der Satire, mit Spott und reichlich Humor“ auf Putin und andere Gegner der freien Meinungsäußerung eingehen und sie entlarven. Die genauen Motive der Wagen bleiben bis zum Start des Zugs geheim.

Tilly sieht Humor als humane Waffe im Angesicht von Krieg

Tilly gestaltet seit 1984 die oft bissig-entlarvenden Mottowagen im Düsseldorfer Karneval. Aktuell läuft in Moskau ein Prozess gegen ihn wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane. Dabei ist er nicht anwesend. „Wenn ich mich auf das Spiel des Despoten Putin einlassen würde, dann schaffe ich für den nur eine Propaganda-Show“, sagte Tilly dem epd. Verglichen mit den russischen Angriffen auf die Ukraine seien „Humor und Satire sehr humane Waffen“.

Bereits im letzten Jahr zeigte Jacques Tilly mit seinen Mottowagen politische Stärke
Bereits im letzten Jahr zeigte Jacques Tilly mit seinen Mottowagen politische StärkeImago / Michael Gstettenbauer

Nach Ansicht des Bildhauers hat sich „die gesamte politische Großwetterlage für Humoristen und Satiriker verschlechtert“. Doch gerade deshalb hielten er und seine Mitstreiter beim Bau der politischen Wagen „an der bissigen Satire fest“. Denn es gehe schließlich um etwas, sagte Tilly, „nämlich um Werte und auch um verletzte Werte“.

Tilly: Spott als Antwort auf undemokratische Methoden

Er als Wagenbauer reagiere „auf undemokratische Methoden vor allem mit Spott“, betonte der Künstler. „Wenn man über Despoten und ihre Versuche, die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit kleiner zu machen, und über unseren Spott als Satiriker lachen kann, dann verliert der Despot auch einen Großteil seiner Macht.“ Und wer darüber lachen könne, habe nicht mehr so große Angst, sagte Tilly. „Satire nimmt Angst und sie macht Autokraten – nicht nur Putin – lächerlich.“

Satire statt Schweigen: Jacques Tilly zeigt beim Rosenmontagszug, wie Humor Despoten entwaffnet und Angst in Lachen verwandelt (Archivbild)
Satire statt Schweigen: Jacques Tilly zeigt beim Rosenmontagszug, wie Humor Despoten entwaffnet und Angst in Lachen verwandelt (Archivbild)Imago / Moritz Müller

In diesem Jahr sei „die mögliche Themenpalette im Vergleich zu früheren Jahren sehr, sehr breit“, sagte Tilly dem epd. Das liege auch an US-Präsident Donald Trump. Seine ständigen in die Welt gesetzten Pläne, politischen „Deals“ und oft absonderlichen Meinungsäußerungen machten die Arbeit von Satirikern allerdings nicht leichter, „weil er mitunter selbst innerhalb eines Tages seine Meinungen ändert“, erklärte der Künstler.

Tilly zeigt seit Jahren klare Positionen im Karneval

2025 hatte Tilly für den Düsseldorfer Rosenmontagszug unter anderem einen Wagen mit der Aufschrift „Hitler-Stalin-Pakt 2.0“ gestaltet. Dabei schüttelten sich Putin und Trump die Hände und zerquetschten dabei den ukrainischen Staatschef Selenskyj. 2023 war der russische Präsident planschend in einer mit Blut gefüllten Ukraine-Badewanne zu sehen.