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Militärexperte Masala wirbt zunächst für Kontingentwehrpflicht

Der Verteidigungsexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr in München hält vor der Wiedereinführung der Wehrpflicht eine sogenannte Kontingentwehrpflicht für notwendig. „Dazu müssten dann alle jungen Leute eines Jahrgangs gemustert werden“, sagte der Professor für Internationale Politik der „Rheinischen Post“ (Donnerstag Online). „Unter denen, die zur Bundeswehr wollen, würde die nötige Zahl rekrutiert.“ So könne auch ein Überblick gewonnen werden. „Wenn Deutschland jetzt angegriffen würde, wüsste das Land nicht mal, wer überhaupt wehrfähig ist und müsste erst mal im großen Stil mustern“, erläuterte er.

Die kommende Regierungskoalition werde für eine Kontingentwehrpflicht eine Zahl definieren müssen. Masala geht von etwa 25.000 bis 30.000 Menschen aus, die die Bundeswehrstrukturen zurzeit verkraften könnten. Parallel dazu müssten neue Strukturen aufgebaut werden. „In ein paar Jahren kann man dann zu einer allgemeinen Wehrpflicht kommen, die dann aber auch für Frauen gelten sollte“, sagte der Politikwissenschaftler.

„Seit bestimmt zehn Jahren bemüht sich die Bundeswehr, die Sollstärke von 210.000 Soldaten zusammenzubekommen“, betonte Masala. Bisher schaffe sie es nie weit über 180.000 Menschen. Dabei gebe sie Millionen Euro für Werbung aus. „Also funktioniert da etwas nicht“, erklärte der Militärexperte. „Im Sommer wird Deutschland neue Anforderungen der Nato erfüllen müssen, wahrscheinlich fünf oder sechs neue Kampfbrigaden, das heißt 30.000 Soldaten zusätzlich.“ Das werde nur mit einer Kontingentwehrpflicht gehen.

Der Forderung von CSU-Chef Markus Söder nach 100.000 Drohnen erteilte der Verteidigungsexperte in der „Rheinischen Post“ eine Absage. „Drohnen in einen Hangar zu stellen, ist eine dumme Idee“, sagte er. „Denn die elektronische Kriegsführung entwickelt sich so schnell, dass nach kurzer Zeit ein Großteil dieser Geräte nicht mehr abheben würde, weil der Gegner Möglichkeiten gefunden hat, die Software lahmzulegen.“ Der Staat müsse neue Wege finden, mit der Industrie zusammenzuarbeiten, um auf der Höhe der technischen Entwicklung zu bleiben.