Die Repräsentanten der beiden großen Kirchen in Nordrhein-Westfalen haben zum Weihnachtsfest zu Frieden und Zusammenhalt aufgerufen. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck betonte die Bedeutung von sozialem Frieden und einem stabilen Sozialstaat. Der rheinische Präses Thorsten Latzel erklärte, die Botschaft der Weihnachtszeit widerspreche der Selbstsucht der Autokraten. Die westfälische Präses Adelheid Ruck-Schröder verwies auf die Hoffnung der Menschen auf Frieden.
Der Ruhrbischof Overbeck mahnte, dass zurzeit nicht nur der politische Frieden in Gefahr sei, sondern auch der soziale Frieden. Das hätten etwa die oft erbittert geführten Auseinandersetzungen über das jüngste Rentenpaket der Bundesregierung gezeigt, sagte der katholische Theologe in seiner Heiligabend-Predigt im Essener Dom. Weihnachten erinnere an die Botschaft „Friede auf Erden“. Für den Frieden in der Gesellschaft sei soziale Gerechtigkeit wichtig. „Es braucht einen gerechten und verlässlichen Sozialstaat“, betonte er.
Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, verwies auf die mutmachende Kraft des Weihnachtsfestes. Die Botschaft „Fürchte dich nicht!“ aus der Weihnachtsgeschichte sei aktuell besonders wichtig, sagte er in seiner Heiligabend-Predigt in der Johanneskirche in Düsseldorf. Sie widerspreche der Selbstsucht der Autokraten und der Angstmacherei von politischen Extremisten.
Der Aachener Bischof Helmut Dieser sagte in seiner Predigt am Heiligabend, Gott wolle den Menschen seinen Sohn als „Fürsten des Friedens“ schenken. „Es kann deshalb für Gott und in seinem Namen keinen Krieg mehr geben!“, sagte der katholische Theologe. Es dürfe kein Mensch „mit dem Namen Gottes auf den Lippen einen anderen Menschen töten wollen“. Auch dürfe keine Kirche mehr Waffen segnen und „das Töten zum Werk Gottes erklären“.
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki verwies auf Menschenwürde und Menschenrechte. Gottes Ebenbild zu sein, sei „die unbeschreibliche Würde eines jeden von uns“, sagte Woelki in seiner Predigt am ersten Weihnachtstag im Kölner Dom. Dabei sei es ganz gleich, ob jemand Frau, Mann oder Kind sei, ob reich oder arm, schwarz oder weiß, Christ oder Nicht-Christ. Der Mensch dürfe durch nichts und niemanden zur Disposition gestellt werden.
Die westfälische Präses Adelheid Ruck-Schröder verweis auf die Hoffnung der Menschen auf Frieden. „Nicht nur im Nahen Osten und in der Ukraine. Auch persönlich sehnen sich Menschen nach innerem Frieden“, sagte sie an Heiligabend in einem ökumenischen Gottesdienst im Bielefelder Bahnhof. Im Kind Jesus komme „das Heilige ins Unheilige und das verändert unser ganz normales, mitunter ganz unheiliges Leben“, sagte die Theologin. So werde zu Weihnachten „die Hoffnung weltweit geboren“.
Der lippische Landessuperintendent, Dietmar Arends, rief zu Menschenliebe und Freundlichkeit auf. Angesichts menschenverachtender Gewalt in Kriegen und Terroranschlägen könnte man verzweifeln und aufgeben, sagte der evangelische Theologe am Donnerstag in Detmold. Jesus, in dem Menschenliebe und Freundlichkeit Gestalt gewonnen habe, sei diesen Weg weitergegangen und habe sich nicht einmal durch das Kreuz aufhalten lassen. „Geben wir mit ihm diese Welt nicht auf“, appellierte Arends.
Der Diözesanadministrator des Bistums Münster, Antonius Hamers, rief dazu auf, soziale Verantwortung zu übernehmen. „Gegen Hass, Ausgrenzung und Lieblosigkeit setzen wir die frohe Botschaft von Gottes Liebe zu allen Menschen“, sagte er am ersten Weihnachttag im Dom von Münster. Denn wer darauf vertraue, durch Gottes Gnade erlöst und befreit zu sein, könne sich „gegen allen Populismus und alles Geschwätz für das Gute entscheiden“.
Im Erzbistum Paderborn rief Erzbischof Udo Markus Bentz dazu auf, sich einzusetzen und Widerstand zu leisten gegen Leid, Ausgrenzung und Gewalt. So könne der Mensch Gott die Ehre geben. „Wir geben Gott dann die Ehre, wenn wir unser Leben und alles, was uns daran kostbar ist, bestaunen als Gabe und Geschenk“, sagte Bentz an Heiligabend im Paderborner Dom. Zum Leben gehörten auch Krankheit, Hilfsbedürftigkeit, Einsamkeit, Enttäuschung und Leid. Der Mensch könne auch an den „Schwachstellen seines Lebens“ darauf vertrauen, dass Gott ihn nicht im Stich lasse.