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Kältewelle: Teils großer Andrang bei Obdachlosenhilfe in Bayern

Die momentane Kältewelle macht sich in der Wohnungslosenhilfe in Bayern ganz unterschiedlich bemerkbar. Während einige Einrichtungen eine gestiegene Nachfrage verzeichnen, spüren andere kaum einen Unterschied zum restlichen Jahr. „Der Andrang ist größer als sonst im Jahr, unsere Notübernachtung ist überbelegt“, sagte etwa die Leiterin des städtischen Hauses Großweidenmühlstraße in Nürnberg, Lisa Selnow, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag. Auch in München ist von mehr Nachfrage als im vorigen Winter die Rede, während sie in Würzburg offenbar gleich geblieben ist. Aufgrund der kommunalen Unterbringungspflicht haben die Städte aber genügend Kapazitäten in der Notunterbringung.

Die Wohnungslosenhilfe der ökumenischen Würzburger Christophorus-Gesellschaft registriert trotz eisiger Witterung nicht mehr Andrang auf ihre Kurzzeitübernachtung. Zwar sei die Verweildauer in der Würzburger Wärmestube tagsüber etwas länger als sonst, sagte Johannes Kopf von der Christophorus-Gesellschaft. Doch die einfache Gleichung „Morgen wird’s kalt, dann läuft die Kurzzeitübernachtung voll“ funktioniere so nicht. In Würzburg gebe es ausreichend Plätze, auch im Winter. In den vergangenen 15 Jahren sei es nicht vorgekommen, dass man Übernachtungsgäste wegen Überfüllung abweisen musste: „Wir haben schon noch Reservemöglichkeiten, wir können etwa Feldbettenlager in Aufenthaltsräumen einrichten.“

In Nürnberg ist es schon soweit: Es würden teilweise Notbetten und Matratzen bereitgehalten, sagte Selnow. Angesichts der Wettervorhersage werde das wohl auch noch eine Weile so bleiben. Zwar sei der Andrang auf die Notübernachtung das ganze Jahr über hoch, doch im Winter nochmals größer – Obdachlosenhilfe sei auch Saisonarbeit. Die Witterung, die aufgrund des Klimawandels extremer und unberechenbarer werde, mache durchaus einen Unterschied für die Einrichtungen. Doch aufgrund der Unterbringungspflicht werde kein Mensch abgewiesen.

Auch die ökumenische Wärmestube in Nürnberg ist laut Sozialpädagogin Stefanie Anzer seit einigen Tagen „sehr voll“. Am Wochenende habe es sogar einen Einlassstopp gegeben. Häufig müssten Menschen nach einer Verweildauer aufgefordert werden, anderen Platz zu machen. „Das ist schon schwierig, sie hinaus in die Kälte zu schicken“, sagte Anzer. Zu anderen Zeiten im Jahr laufe dieser Wechsel von alleine. Zudem werde nun vermehrt darauf geschaut, ob die Menschen wintertauglich ausgestattet seien. Ihnen werde gesagt, dass die Kälte lebensbedrohlich sein kann und wo die Notschlafstellen sind.

In München sei der Andrang auf die Hilfsangebote heuer größer als im vorigen Winter, sagte auch Richard Brunner, der den Übernachtungsschutz „Schiller“ des Evangelischen Hilfswerks leitet. Das liege wohl am kälteren Wetter, aber wohl auch an „gesellschaftlichen Entwicklungen“ wie der weiter wachsenden Wohnungsnot und dem anhaltenden Zuzug. Auch bei der evangelischen Teestube „komm“ stauen sich die Menschen vor der Tür.

Rein von den Kapazitäten her müsste in München niemand auf der Straße schlafen, sagte Brunner. Mit dem relativ neuen Übernachtungshaus im Münchner Euroindustriepark „kommen wir super zurecht“. Bei denen, die dennoch draußen bleiben wollen, steckten oft psychische Erkrankungen, Ängste oder schlechte Erfahrungen dahinter. Mit dem Wärmebus würden Obdachlose aufgesucht, um sie aufzuklären und in den Kälteschutz zu bringen, wo sie auch Beratung bekämen.

An den Feiertagen, wenn keine Läden offen haben, sei der Betrieb noch einmal heftiger, sagte Anzer aus Nürnberg. Dagegen verweist Kopf aus Würzburg darauf, dass es mit dem rund um die Uhr geöffneten Hauptbahnhof eine unkomplizierte Möglichkeit gebe, sich vergleichsweise warm aufzuhalten. Denn der Aufenthalt in den Christophorus-Einrichtungen sei an Regeln gebunden, die nicht alle potenziellen Gäste einzuhalten bereit seien. (0055/08.01.2026)