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Immer mehr Menschen wollen weg von US-Tech-Anbietern

Weil Präsident Trump sich immer unberechenbarer verhält, suchen Menschen hierzulande Wege aus der Abhängigkeit von US-Digitalkonzernen. Vollständige Souveränität ist unmöglich, aber schon kleine Schritte können helfen.

Google drängt allen Nutzern KI auf, die KI von X erlaubt Nutzern, sexualisierte Bilder von anderen – sogar Kindern – zu generieren, Donald Trump dreht missliebigen Kritikern im Ausland die Microsoft-Konten ab: Gründe, sich kritisch mit US-Tech-Konzernen auseinanderzusetzen, gibt es viele.

Auch Politiker in Deutschland und Europa werden nicht müde, “digitale Souveränität” einzufordern – und damit einen Ausweg aus einer Abhängigkeit, für die man sich in Europa einst selbst entschieden hat. Für viele Menschen ist es schwer, im Wust der politischen Debatten und technischen Begriffe den Überblick zu behalten. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) beantwortet die wichtigsten Fragen – und gibt Tipps für den Umstieg, der auch für Laien machbar ist.

Die Diskussion ist im Augenblick so präsent, weil es viel Kritik an US-Präsident Trump gibt. Nicht erst seit seinem Angriff auf Venezuela ist klar, dass Trump seine Interessen auch in anderen Ländern durchsetzen wird, notfalls völkerrechtswidrig und mit Gewalt. Dass er die großen Tech-Konzerne, von denen die meisten ihren Sitz in den USA haben, für seine Zwecke einspannen will, hat er schon früh klargemacht.

In den USA gibt es einige Gesetze, die der Regierung Befugnisse gegenüber den Digitalkonzernen einräumen. So darf die US-Regierung zum Beispiel Zugriff auf alle Daten verlangen, die auf den Servern von US-Konzernen liegen – auch im Ausland. Das kann auch die Daten durchschnittlicher Nutzer betreffen.

Das bedeutet aber auch, dass die Regierung Trump theoretisch in der Lage wäre, die US-Konzerne dazu zu bringen, bestimmte Angebote für ausländische Bürger und Institutionen nicht mehr anzubieten. Das kann die US-Regierung als Druckmittel gegen andere Staaten einsetzen: Wenn alle US-Dienste vom einen Tag auf den anderen eingestellt werden würden, würde weltweit digital so gut wie nichts mehr funktionieren, da US-Produkte in den allermeisten digitalen Sparten hohe Marktanteile haben. Menschen könnten ihre Mails nicht mehr abrufen, Webseiten wären nicht mehr erreichbar, die Kommunikation wäre eingeschränkt und vieles mehr.

Das Internet war einst als internationales, grenzüberschreitendes und dezentrales Konzept gedacht. Mit der Verbreitung unter Privatpersonen kamen immer mehr kommerzielle Interessen ins Spiel, die vor allem in den USA umgesetzt wurden. Außerdem gab es dort schon früh staatliche und militärische Förderung für Forschung im Bereich Internet – und wenige Gesetze, die Digitalkonzerne einschränken. So wurden die US-Anbieter Schritt für Schritt größer und damit auch besser, schneller und innovativer als die Konkurrenz in anderen Ländern. Mit technischen Einschränkungen erschwerten es die US-Anbieter außerdem, zu einem anderen Dienst zu wechseln, was ihre Dominanz noch vergrößerte.

Abhängig ist Deutschland aber nicht nur von US-Konzernen, sondern auch von anderen Ländern. Denn die Internet-Infrastruktur mit Rechenzentren, Netzen und Endgeräten braucht viele Ressourcen, die es in Europa zum größten Teil nicht gibt. Auch die Herstellung von Hardware ist oft nicht in Europa angesiedelt. Eine vollständige Unabhängigkeit Europas ist also schlicht nicht möglich.

Von Sanktionen des US-Präsidenten sind derzeit nur Einzelpersonen oder Institutionen betroffen, gegen die die US-Regierung aus politischen Gründen vorgeht, zum Beispiel Richter des internationalen Strafgerichtshofs und Menschen, die sich für eine Regulierung digitaler Plattformen einsetzen. Wer nicht damit rechnet, aufgrund eigener öffentlichen Äußerungen oder aus beruflichen Gründen die Aufmerksamkeit der Trump-Regierung zu wecken, dürfte zunächst keine Sanktionen zu befürchten haben.

Es ist aber denkbar, dass sich Einschränkungen irgendwann nicht mehr nur gegen Einzelpersonen richten, sondern auch gegen ganze Unternehmen, Institutionen oder Staaten. Für diese Fälle kann man jetzt schon Vorkehrungen treffen, um weiterhin digitale Dienste nutzen zu können. Viele alternative Angebote bieten außerdem weitere Vorteile, die sie für einen Umstieg interessant machen könnten.

Grundsätzlich gibt es keine richtigen und falschen Antworten. Welche Anwendungen geeignet sind, hängt immer von den individuellen Bedürfnissen der Nutzer ab. Es ist auch nicht nötig, vom einen auf den anderen Tag die digitalen Gewohnheiten komplett umzuwerfen. Inzwischen gibt es aber für viele kommerzielle US-Dienste Alternativen, die ähnlich funktionieren, sodass der Umstieg auch für technische Laien möglich ist. Im Netz finden sich viele Anleitungen und Beschreibungen von Anwendungen, die nicht oder in geringerem Maße von US-Diensten abhängig sind. In vielen Städten gibt es Hilfsangebote, die individuell und kostenlos beraten und beim Umstieg unterstützen.

Für den Messengerdienst WhatsApp, der zum Facebook-Mutterkonzern Meta gehört, gibt es alternativ etwa die Apps Signal, Threema oder Matrix, die als datenschutzfreundlicher gelten, jedoch nicht immer vollständig unabhängig von US-Infrastruktur betrieben werden. Die Mailprogramm von Google oder Microsoft lassen sich durch Anbieter wie mailbox.org oder Proton.me ersetzen. Statt Google Chrome können Nutzer den Firefox-Browser verwenden, der aber in manchen Bereichen mit US-Techkonzernen zusammenarbeitet. Microsoft-Betriebssysteme lassen sich durch Linux ersetzen.

Nicht jede Alternative ist für alle Nutzer gleich gut geeignet; viele sind auf einer technischen Ebene weiter mit US-Infrastruktur verbunden, auch wenn sie von Europa aus betrieben werden. Viele bieten aber neben der verringerten Abhängigkeit von den USA weitere Vorteile, etwa einen besseren Datenschutz oder eine bessere Klimabilanz – und lassen sich ohne hohe Kosten und ohne viel technisches Wissen einfach ausprobieren.