2020 hat das Bundesverfassungsgericht frei verantwortete Suizide quasi als Grundrecht geschützt. Seitdem steigt die Zahl der Selbsttötungen, bei denen Menschen die Hilfe von Sterbehilfevereinen beanspruchen.
Immer mehr Menschen in Deutschland begehen mit Hilfe von Sterbehilfevereinen Suizid. 2025 nahmen nach einer am Donnerstag veröffentlichten Statistik der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) 1.287 Männer und Frauen die Hilfe von organisierten Sterbebegleitern bei der Selbsttötung in Anspruch. Im Vorjahr waren es 1.200.
Wie DGHS-Präsident Robert Roßbruch weiter mitteilte, begingen 898 Menschen mit Hilfe der Organisation einen Suizid. Das waren 275 mehr als im Vorjahr (623 Fälle). Die Zahl der von der DGHS begleiteten Suizidfälle hat sich damit seit 2021 (120 Fälle) mehr als versiebenfacht. Dazu kamen im vergangenen Jahr 176 Suizidbegleitungen durch den in Hamburg angesiedelten Verein Sterbehilfe sowie 213 Suizidbegleitungen durch den Verein Dignitas.
Unter den 1.287 Suizidbeihilfen der DGHS waren den Zahlen zufolge auch 30 Doppelbegleitungen und 37 Suizidbegleitungen in stationären Pflegeeinrichtungen. Bei rund 32 Prozent der Fälle gibt die DGHS “Multimorbidität” als Grund für den Sterbewunsch an. Es folgen “Lebenssattheit” mit über 25 Prozent, eine Krebserkrankung mit 15,6 Prozent, eine neurologische Erkrankung mit 13,5 Prozent und chronische Schmerzen mit rund 2,7 Prozent.
Mit 397 fanden die meisten Suizidbegleitungen in der Altersgruppe der 80- bis 89-Jährigen statt. Die zahlenmäßig größte Gruppe waren 2025 Frauen dieses Alters. In fast allen Altersklassen lag der Anteil der Frauen, die einen begleiteten Suizid begingen, höher als der der Männer.
Unter den Anträgen, die in der DGHS-Geschäftsstelle eingingen, waren laut Roßbruch 41, die abgelehnt wurden, und 103 Menschen, die noch während des Prüfungsprozesses an ihrer Erkrankung starben. Auffällig war nach Angaben Roßbruchs, dass es 2025 auch einige sehr junge Menschen gab, denen wegen der Erkrankung “Chronisches Fatigue-Syndrom” (ME/CFS) eine Freitodbegleitung vermittelt wurde. Die jüngste beim Suizid begleitete Person war 26 Jahre alt, die älteste 102 Jahre.
Der DGHS-Präsident stellte zudem die neue Informationskampagne “Humanes Sterben. Weil es mein Leben ist” vor. Einzelne Mitglieder berichten als sogenannte Testimonials auf der Homepage und in den Sozialen Medien über ihre Haltung zum Thema Freitodbegleitung.
2024 hatten sich 10.372 Bundesbürger das Leben genommen. Seit ein paar Jahren steigt diese Zahl wieder leicht an.