Mit scharfer Kritik an christlichem Nationalismus und der Forderung nach humanitären Visa für im Iran bedrohte Menschen ist am Dienstag in Bonn die diesjährige Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland zu Ende gegangen. In Länder wie Iran, Afghanistan und Syrien dürfe derzeit nicht abgeschoben werden, erklärte das Kirchenparlament der gut zwei Millionen rheinischen Protestanten. Der leitende Theologe Thorsten Latzel zeigte sich zufrieden mit den fünftägigen Beratungen, die im Zeichen massiver Haushaltskürzungen standen.
„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte der rheinische Präses mit Blick auf die am Montag beschlossene Kürzung des landeskirchlichen Haushalts um ein Fünftel. Es sei nicht leicht gefallen, 30,7 Millionen Euro einzusparen. Dieser große Schritt werde die rheinische Kirche verändern, die aber auch mit weniger Mitteln das Evangelium verkünden und für die Schwächsten da sein wolle. Erstmals tagte die Synode einen Tag verkürzt und über ein Wochenende hinweg, um Ehrenamtlichen die Teilnahme zu erleichtern. Ob dies auf Dauer beibehalten wird, sei offen.
Besorgt zeigte sich das Kirchenparlament über den weltweiten Missbrauch von Religion zur Legitimation von Nationalismus, imperialer Machtpolitik und Migrationsfeindlichkeit. Dabei würden christliche Symbole wie das Kreuz umgedeutet. Religiöser Nationalismus behaupte einen rassistischen Kampf der Kulturen. Auch in Deutschland suchten politische Akteure im Umfeld der extremen Rechten eine christliche Legitimation ihrer Politik, hieß es: „Das Christentum wird sinnentstellend als Ressource zur Rechtfertigung gewalttätiger Machtpolitik, reaktionärer Wertvorstellungen und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit verwendet.“
Latzel sprach im Blick auf christliche Nationalisten von Irrglauben, das Christentum werde in unsäglicher Weise missbraucht. Auch die Humanität sei in Gefahr. „Es ist an uns, deutlich zu widersprechen“, betonte der Theologe. „Wir dürfen uns nicht in unsere Wohlfühlblasen und in die Bereiche zurückziehen, wo wir nur mit denen reden, die die gleiche Auffassung haben.“ Man müsse auch mit Menschen sprechen, die rechtspopulistische Parteien wählen.
Die Synode forderte den Schutz von Demonstrations- und Menschenrechten und bekundete ihre Solidarität mit den Menschen im Iran und in anderen Ländern, in denen sie unter staatlichen Repressionen leiden. Die Ökumene-Dezernentin Wibke Janssen machte auch auf das Leid von Menschen im Norden des Kongo, in Ruanda und im Südsudan aufmerksam.
Lange Diskussionen gab es am letzten Synodentag über eine Neuregelung der Presbyteriumswahlen. Themen waren etwa die Möglichkeiten und Kosten von Online- und Briefwahlen sowie die Gestaltung von Wahlen vor Ort. Im kommenden Jahr sollen konkrete Regeln erarbeitet werden, mit denen die 527 Kirchengemeinden zwischen Niederrhein und Saar eine möglichst hohe Flexibilität bei der Gestaltung der Kirchenwahlen erhalten sollen.