Zu schmissigen Big-Band-Klängen flitzte er förmlich auf die Bühne. “Tempo ist unsere Devise”, sagte Hans Rosenthal bei der Premiere von “Dalli Dalli”. Das TV-Ratespiel im ZDF war nicht sein einziges Vermächtnis.
Hans Rosenthal (1925-1987) gehörte zu den beliebtesten TV- und Radio-Moderatoren Deutschlands im 20. Jahrhundert. Der Berliner war ein Medien-Akkordarbeiter mit Haltung und ganz eigener Geschichte.
Mit seinem Namen ist das von ihm erfundene “Quiz für Schnelldenker” im ZDF verbunden: “Dalli Dalli”. Vor einer legendären Wabenkulisse kämpften vier Zweier-Teams bei Assoziations- und Geschicklichkeitsspielen um möglichst viele Punkte, die, in einen Geldbetrag umgerechnet, hilfsbedürftigen Mitmenschen zugutekamen. Zum festen Ritual gehörte seit 1976 Rosenthals Luftsprung für besonders gelungene Leistungen, angekündigt durch den Ausruf: “Sie sind der Meinung, das war – spitze!”
1980 erschien Rosenthals Autobiografie “Zwei Leben in Deutschland”. Darin schildert er die abenteuerliche und berührende Geschichte seiner Jugend als “jüdischer Mensch” in Hitler-Deutschland. “Jude” – das kam Rosenthal, der sich später im Zentralrat der Juden in Deutschland engagierte, nur schwer über die Lippen. “Durch die Nazis, durch ihre Hetzschriften, die Riesenlettern im ‘Stürmer’ ist mir dieses Wort auf immer verleidet worden.”
Mit viel Glück überlebte der junge Vollwaise den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg; zum Schluss zwei Jahre lang versteckt in einer Laubenkolonie im Berliner Bezirk Lichtenberg. Seinen geliebten Bruder Gert konnte er am Ende nicht vor der Gestapo schützen. Im Oktober 1942 wurde der Zehnjährige nach Riga abtransportiert und vermutlich ermordet.
Es gehört zur Größe des nur 1,70 Meter kleinen Rosenthal, dass er trotz alledem keinen Hass gegen Deutschland hegte. Stattdessen nutzte er seine Talente, um seinen Mitbürgern zu zeigen, “dass jüdische Menschen sind wie alle anderen”. Im Februar 1987 starb der Moderator und Entertainer nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren. Beim Trauerzug zum Jüdischen Friedhof in Charlottenburg-Wilmersdorf war ganz Berlin auf den Beinen.