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Gedenkstätten halten Kontakt zu Überlebenden in mehreren Ländern

Brandenburgs Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen stehen noch mit jeweils rund 30 Überlebenden der beiden NS-Konzentrationslager in Kontakt. Die meisten von ihnen seien mehr als 90, manche auch mehr als 100 Jahre alt, sagte die Politikwissenschaftlerin Andrea Genest vom Direktorium der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Gedenkstätte Ravensbrück habe noch Kontakt zu Überlebenden unter anderem in Polen, Israel, Südafrika, Dänemark, der Ukraine, Russland, Frankreich und den USA, sagte sie: „Die Gedenkstätte Sachsenhausen vor allem nach Israel, Südamerika, Polen, Dänemark sowie in die Ukraine und die USA.“

Auch zu den Gedenkfeiern zum 81. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager im April sollen wieder Überlebende der NS-Verbrechen eingeladen werden, sagte die Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück: „Wir hoffen, dass insgesamt etwa zehn Überlebende nach Ravensbrück und Sachsenhausen aus Dänemark, Großbritannien, Israel, Polen, der Schweiz und der Ukraine kommen werden.“

Mit Blick auf das hohe Alter und die immer weiter sinkende Zahl der Überlebenden sagte Genest, die Vermittlungsarbeit in den Gedenkstätten finde schon lange ohne die unmittelbare Einbeziehung von Zeitzeugen statt: „Wir sind ständig dabei, unsere Formate an neue Entwicklungen anzupassen.“ In der Gedenkstätte in Brandenburg an der Havel werde ein Computerspiel entwickelt, das sich mit den Euthanasie-Verbrechen auseinandersetze. In Sachsenhausen würden seit einigen Jahren verstärkt Nachkommen ehemaliger Häftlinge in die Arbeit der Gedenkstätte einbezogen.

Die Gedenkstättenleiterin betonte, sie wünsche sich vor allem für die Orte der KZ-Außenlager mehr Aufmerksamkeit. „Im Raum Berlin-Brandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern gab es mehr als 100 solcher Außenlager, in deren Umfeld KZ-Häftlinge meist in kriegsrelevanten Produktionsstätten Zwangsarbeit leisten mussten“, sagte Genest. Dafür gebe es inzwischen auch Formate, „um mit Jugendlichen die NS-Geschichte in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zu bearbeiten“.

Für eine nachhaltige Erinnerungsarbeit sei entscheidend, ob sich lokale Initiativen bilden, die die Geschichte der NS-Verbrechen vor Ort aufarbeiten, sagte Genest: „Diese benötigen mehr Aufmerksamkeit, politische Unterstützung und Austauschforen.“ Von Bedeutung sei dabei auch das „Netzwerk Zeitgeschichte“, das sich um eine Vernetzung von Wissenschaft und Gedenkstätten mit zivilgesellschaftlichen Initiativen bemühe.