In Baden-Württemberg stehen rund 4.000 Islamisten einer mittleren zweistelligen Zahl von christlichen Fundamentalisten gegenüber, die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft werden. Die von dschihadistischen Akteuren ausgehende Bedrohungslage schätzt das Innenministerium als „unverändert hoch“ ein, wie es in einer am Montag veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion schreibt.
Während die Behörden die Gefahr von Anschlägen durch islamistische Einzeltäter oder Kleinstgruppen als real ansehen, beschreiben sie das Risiko im christlich-fundamentalistischen Spektrum anders. Dort bestehe vor allem ein hohes Radikalisierungspotenzial für Einzelpersonen, die religiöse Lehren mit Verschwörungsideologien vermischten. Der Verfassungsschutz beobachtet in diesem Bereich zwei Gruppierungen: die „Baptistenkirche Zuverlässiges Wort Pforzheim“ und die „Evangelische Freikirche Riedlingen“ (Kreis Biberach).
Auch die Kriminalstatistik zeigt deutliche Unterschiede. Seit 2020 wurden keine politisch motivierten Gewalttaten mit christlich-fundamentalistischem Hintergrund registriert. Im selben Zeitraum gab es sieben andere extremistische Straftaten aus angeblich christlicher Motivation, meist wegen Volksverhetzung.
Die staatlichen Aussteigerprogramme für Extremisten verzeichnen laut Ministerium bisher kaum Anfragen von Personen aus christlich-fundamentalistischen Gruppen. Anlass der SPD-Anfrage war unter anderem ein Tötungsdelikt in Rickenbach (Kreis Waldshut) im Jahr 2023, bei dem sich der Täter auf seinen christlichen Glauben berief. (3331/22.12.2025)