Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Holocaust leben noch weniger als 200.000 Überlebende. Einige von ihnen sind über 100 Jahre alt. Wer sind diese Menschen, und wo wohnen sie heute?
Die Jewish Claims Conference geht aktuell von rund 196.600 Überlebenden des Holocausts aus. Einige von ihnen sind hochbetagt. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) gibt einen Überblick über fünf bekannte noch Lebende, die deutlich über 100 Jahre alt sind.
Malka “Mollie” Horwitz (109): Sie wohnt in Florida im Großraum Miami. Geboren als Malka Godur im März 1916 in Litauen, verbrachte sie vier Jahre im Ghetto von Vilna (Vilnius), nachdem die Deutschen das Land besetzt hatten. Sie verlor ihren Ehemann, ihre Eltern und musste sich aus Sicherheitsgründen von ihrem kleinen Sohn trennen. Nach dem Krieg gelang es ihnen trotz aller Widrigkeiten, wieder zusammenzufinden, und sie gingen nach Kuba, bevor sie in die USA auswanderten.
Mirjam Bolle (108): Sie wohnt in Jerusalem und ist die letzte Überlebende des Amsterdamer “Judenrates”. Als dessen Mitglied war Mirjam Levie zunächst von der Deportation ausgenommen, wurde aber 1943 während einer Razzia erst ins Sammellager Westerbork, dann im Januar 1944 ins KZ Bergen-Belsen deportiert. Sechs Monate später kam sie im Rahmen des einzigen “Austauschs” in das britische Mandatsgebiet Palästina frei. Dort heiratete sie ihren Verlobten Leo Bolle (Menachem Eljakim Bolle), der 1992 starb. Ihre drei Kinder, die sie in Israel bekam, sind ebenfalls bereits gestorben.
Anni Schkolnik (106): Geboren wurde sie im März 1919 in Leipzig, wo ihre Eltern ein Rauchwarengeschäft führten. Die Familie wanderte vor der Verfolgung vor den Nazis nach Italien aus, wo Anni ihren Mann kennenlernte und eine Familie gründete. Wie sie die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Italien und die Besetzung durch die Deutschen erlebt hat, ist nicht bekannt. Seit Mitte der 2010er Jahre lebt sie in Israel, aktuell in Tel Aviv.
Jehuda Widawski (106): Jehuda Widawski wurde im Juli 1919 in Turek (Polen) geboren. Vor dem Zweiten Weltkrieg führte er ein eigenes Textil- und Bekleidungsunternehmen. Während des Holocausts war er Häftling in mehreren Konzentrationslagern, darunter Auschwitz, wo seine Eltern und Geschwister ermordet wurden. Nach dem Krieg kehrte er nach Polen zurück und emigrierte 1950 nach Israel. Dort engagierte er sich für die Erinnerung an die jüdische Gemeinde von Lodz, die Pflege von Friedhöfen und Gedenkstätten sowie für den sozialen Zusammenhalt ehemaliger Ghetto-Bewohner. Er lebt in Tel Aviv.
Laszlo Roth (105): Geboren 1920 im rumänischen Satu Mare, begann er eine Ausbildung als Musiker in Budapest. 1944 wurde er gemeinsam mit seinen Eltern und weiteren Verwandten ins KZ Auschwitz deportiert. Mit seinem Vater wurde er ins KZ Mauthausen gebracht, wo er ein kleines Orchester gründen sollte. Nach der Befreiung nahm er seine Musik-Studien wieder auf und arbeitete für ein Jahrzehnt als Leitender Dirigent am Opernhaus von Timisoara (Rumänien). 1960 wanderte er nach Israel aus, wo er als Dirigent wirkte und Gastspiele im Ausland gab. Er lebt in Tel Aviv.