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Berliner Bischöfe rufen an Weihnachten zum Zusammenhalt auf

Die Berliner Bischöfe der evangelischen und katholischen Kirchen haben an Weihnachten zum Zusammenhalt aufgerufen. Der evangelische Landesbischof Christian Stäblein sprach in seiner Weihnachtspredigt am Mittwochabend in der St. Marienkirche von Weihnachten als einem Fest der Haltung. In der Sankt Hedwigs-Kirche ermutigte der katholische Erzbischof Heiner Koch zum Trostspenden.

Stäblein sprach seiner Weihnachtspredigt laut vorab verbreitetem Manuskript von Weihnachten als körperlich und geistlich erfahrbarem Geschehen, das sich im „Stehen“, „Knien“ und „Aufbrechen“ ausdrücke.

Die Krippe sei dabei Ausgangspunkt: Weihnachten beginne mit dem bewussten Innehalten und dem Respekt vor dem Leben. „Und so siehst auch du das Leben neu an: mit Respekt. Mit Respekt auf die neben uns schauen.“ Er mahnte zum Zusammenstehen mit der jüdischen Gemeinschaft: „es ist ein jüdisches Kind, Jesus, das da geboren wird.“ Zudem sei Jesus „Flüchtlingskind unter Flüchtlingskindern“, und als Neugeborenes „im Armutsstall unter den Armen“ gewesen.

Die zweite Haltung zu Weihnachten sei das Knien vor der Krippe, erklärte Stäblein. Weihnachten bedeute Augenhöhe und „das Kleine zu achten. Sag ruhig Kleinachten, wenn Du möchtest“, so der Bischof.

Abschließend komme das Aufbrechen, das sei „die Haltung von Weihnachten – zum Mitnehmen nach Hause und in unsere Gesellschaft, in Politik und Welt“. Von der Krippe könne „Achtung vor dem Leben, Respekt, Nähe und die nötige Distanz zum anderen, genau die richtige Mischung eben“, mitgenommen werden. Und die „Hoffnung, dass Leben Zukunft hat.“

Auch Erzbischof Koch lud in seiner Predigt aus dem alttestamentarischen Buch Jesaja die Gläubigen dazu ein, in aller Dunkelheit Gott zu vertrauen. „Verlass dich auf Gott! Schenk ihm immer wieder neu dein Vertrauen und du wirst erfahren, dass Gott bei dir ist und bleibt.“ Wer einsame oder verzweifelte Menschen nicht allein lasse, „der wird zur Verkünderin und zum Verkünder des großen Trostes, den allein Gott uns schenken kann“, sagte Koch laut Redemanuskript.

Koch erinnerte er unter anderem an die Menschen in Israel, Gaza, im Sudan und in der Ukraine, die seit Jahren „in Lebensangst und Zerstörung leben“. Christian Stäblein, der zugleich Flüchtlingsbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, hatte am Mittwochmittag im Sender „Welt TV“ an Weihnachten als ethischen Auftrag erinnert, füreinander einzustehen und jedes Menschenleben als wertvoll anzuerkennen.

Stäblein sagte dem Sender zudem, dass mehr Menschen an Weihnachten Gottesdienste besuchten als in früheren Jahren. Das zeige die „Sehnsucht der Menschen nach einer anderen Botschaft, nach einer anderen Welt.“ Dennoch komme es am Ende nicht „auf volle oder leere Kirchen an, sondern auf den Frieden auf dieser Erde.“