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Aachener Bischof: Miteinander angstfrei diskutieren

Der Bischof von Aachen, Helmut Dieser, spricht sich für einen offenen Austausch zwischen den Religionen aus. In seiner Silvesterpredigt am Mittwochabend im Aachener Dom forderte er, dass Juden, Muslime, Christen, Anders- und Nichtgläubige in Deutschland angstfrei leben und angstfrei
miteinander in einem offenen Austausch sein können, den niemand durch Intoleranz und Extremismus verhindern und zerstören dürfe. „Wenn wir das wirklich wollen, müssen wir alle das auch einfordern und praktizieren“, unterstrich er in der Jahresschlussandacht.

In islamistischen, linksradikalen und neonazistischen Kreisen trete Antisemitismus immer offener zutage, „und das halte ich für unerträglich und für nicht mehr hinzunehmen“, erklärte Dieser. Dass Antisemitismus in Deutschland auch im vergangenen Jahr zwar „von den einen geächtet, von den anderen aber verschwiegen werde“, lasse ihn nur immer weiter ansteigen. „Darum müssen wir alle den Mut finden, darüber kritisch und kontrovers zu reden.“ Doch diejenigen, die intolerante Sprüche durchs Dorf jagten, um Angst zu erzeugen und andere mundtot zu machen, dürften damit keinen Erfolg haben, mahnte er.

In seiner Ansprache blickte Dieser auch auf den Diskurs politisch Verantwortlicher. Zu oft gehe es um provozierende Bilder und Schlagwörter, ohne dass diese mit konkreten Inhalten oder Lösungsvorschlägen verbunden würden. Wochenlang sei eine Diskussion nur um das Wort „Stadtbild“ aus einer Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geführt worden. Ob aus dieser Diskussion ein politischer Wille und entsprechende Umsetzungen erfolgten und welche das sein sollten, bleibe weiter ungewiss, kritisierte Dieser.

Auch bei internationalen Krisen wie dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine würden Deals oder Forderungen kolportiert, doch an der schrecklichen und tödlichen Situation ändere sich weiterhin nichts. „Die Ukraine wird immer neu brutal angegriffen“, sagte Dieser. Und ohne Lösungsidee seien die Menschen im Gaza-Streifen immer noch von der Terrororganisation Hamas beherrscht und litten weiter „unter israelischen Angriffen, Zerstörungen und unermesslichem Leid“. Und wegen der Politik der Regierung Israels würden Juden weltweit zusehends schärfer angegriffen und bedroht.

Unzufriedenheiten wüchsen, Polarisierungen nähmen zu, mahnte der Bischof und unterstrich die Kraft, die vom Glauben an Gott ausgehe. Gott segne und öffne neue Sinnzusammenhänge.