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125. Geburtstag: Elisabeth Schwarzhaupt, die erste Bundesministerin

Sie ist die einzige Frau auf dem Gruppenbild: Die Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Elisabeth Schwarzhaupt mit lauter Ministern, dem Bundespräsidenten und dem Bundeskanzler vor der Bonner Villa Hammerschmidt. Sie steht in der letzten Reihe. Kanzler Konrad Adenauer (CDU) hatte die 60-jährige Bundestagsabgeordnete nach der Bundestagswahl 1961 als Gesundheitsministerin widerstrebend in sein viertes Kabinett berufen. Die CDU-Politikerin war die erste Frau, die ein Ministeramt in der Bundesrepublik übernahm. Dafür hatten die Frauen in ihrer Partei lange kämpfen müssen.

In der konservativ und patriarchalisch geprägten Adenauer-Ära war eine politische Karriere für Frauen noch eine Seltenheit. Der seit 1949 regierende Adenauer hatte zwar mehrfach versprochen, eine Ministerin zu berufen. Aber erst auf energisches Drängen einflussreicher CDU-Politikerinnen löste er seine Zusage ein. Da alle anderen Ressorts bereits vergeben waren, wurde das Ministerium für Gesundheitswesen für Schwarzhaupt neu geschaffen. Allerdings wäre die promovierte Juristin lieber Justiz- oder Familienministerin geworden.

Vor 125 Jahren, am 7. Januar 1901, wurde Elisabeth Schwarzhaupt in Frankfurt am Main geboren. Eigentlich wollte sie nach ihrem Jurastudium gern Jugendrichterin werden. Doch die Nationalsozialisten verwehrten Frauen das Richteramt und gaben dem beruflichen Weg der Frankfurterin damit eine völlig andere Richtung. Vor ihrer späteren politischen Karriere arbeitete die hessische Protestantin ab 1936 für die evangelische Kirche in Berlin. In der Kirchenkanzlei stieg sie zur Oberkonsistorialrätin auf. Nach dem Krieg war sie im Kirchlichen Außenamt in Frankfurt tätig, ehe sie in die Politik wechselte. 1953 wurde sie zum ersten Mal in den Bundestag gewählt.

Die CDU-Politikerin führte das Gesundheitsministerium unter Adenauer und seinem Nachfolger Ludwig Erhard bis 1966. In ihrer fünfjährigen Amtszeit blieb sie die einzige Frau im Kabinett. Die Ministerin, die auch für Umwelt- und Verbraucherschutz zuständig war, setzte unter anderem durch, dass auf verpackten Lebensmitteln ein Haltbarkeitsdatum angegeben werden muss. In ihre Amtszeit fiel auch der Contergan-Skandal. Nahmen Frauen das frei verkäufliche Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan in der Schwangerschaft ein, führte dies zu schweren Schädigungen der Kinder.

In einer Zeit, in der Frauen in der Politik häufig dem Spott und dem Widerstand ihrer männlichen Kollegen begegneten, vertrat Schwarzhaupt eine fortschrittliche Position in der Familienpolitik: Als Abgeordnete stritt sie für die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau in der Ehe und setzte sich für die Rechte nichtehelicher Kinder ein. Vielen in ihrer eigenen Partei war sie damit zu liberal.

In den 1960er und 1970er Jahren gehörten der Bundesregierung meist nur eine oder zwei Frauen an. Erst allmählich nahm der Frauenanteil im Kabinett zu. Zunächst waren vor allem die Ressorts Familie und Gesundheit in weiblicher Hand. Relativ spät übernahmen Frauen auch die sogenannten klassischen Ressorts wie das Justizministerium (1992), das Verteidigungsministerium (2013) und das Auswärtige Amt (2021).

Ein großer Sprung folgte 44 Jahre nach der Berufung von Schwarzhaupt: Mit der Wahl von Angela Merkel (CDU) zur Bundeskanzlerin im Jahr 2005 war auch das wichtigste politische Amt in Deutschland keine Männerdomäne mehr. Merkel, die 16 Jahre im Amt blieb, hatte zuvor unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) als Ministerin für Frauen und Jugend und dann als Umweltministerin gedient.

Schwarzhaupt, die noch bis 1969 dem Bundestag angehörte, sah es rückblickend als Erfolg an, dass Frauen durch ihre Arbeit „den Fuß in eine bisher verschlossene Tür gesetzt haben“. Heute ist der Frauenanteil in der Bundespolitik noch immer weit von einer Parität entfernt. Der Frauenanteil im 21. Deutschen Bundestag beträgt 32,4 Prozent. In der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sitzen neben zehn Männern acht Frauen am Kabinettstisch.

Das höchste deutsche Staatsamt blieb Frauen bislang versagt: Seit 1949 gab es nur Bundespräsidenten, keine einzige Bundespräsidentin. Im Februar 2027 entscheidet die Bundesversammlung über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier, und längst hat die Diskussion darüber begonnen, ob es fast 80 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik und nach zwölf männlichen Amtsinhabern nicht an der Zeit für eine Frau als Staatsoberhaupt ist.

Elisabeth Schwarzhaupt, die auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament gesellschaftspolitisch aktiv blieb, starb am 29. Oktober 1986 in ihrer Heimatstadt Frankfurt. Für März 2026 ist auf Beschluss der Bundesregierung die Herausgabe einer 35-Euro-Sammlermünze geplant, die an die erste Bundesministerin erinnert.