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Verbände: Naturschutz muss zentrales Thema bei Landtagswahl sein

Der Naturschutz muss nach Forderung von Umweltverbänden ein zentrales Thema bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März sein. „Es geht um unsere Lebensgrundlagen. Wer sich darum nicht kümmert, sägt an dem Ast, auf dem er sitzt“, sagte der Nabu-Landesvorsitzende Johannes Enssle am Sonntag bei den Naturschutztagen am Bodensee. Er erwarte mehr Einsatz für Klima- und Naturschutz von der nächsten Landesregierung, auch wenn die Politik mitunter den Eindruck erwecke, dieser sei in Krisenzeiten nachrangig. Es gebe noch viel zu tun, um Klima und natürliche Lebensgrundlagen wirksam zu schützen.

Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger sagte, dass die Bundesländer beim Umweltschutz eine Schlüsselrolle hätten. Denn diese hätten die rechtlichen Spielräume und regionales Wissen, um wirksame und kooperative Lösungen zu entwickeln. Die BUND-Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch sagte, die Landtagswahl sei eine Chance, die Weichen für ein nachhaltiges Baden-Württemberg zu stellen. In einigen Bereichen, etwa mit dem Biodiversitätsstärkungsgesetz, ehrgeizigen Klimazielen oder der kommunalen Wärmeplanung, sei der Südwesten sogar Vorreiter.

„Trotz der zugespitzten politischen Lage und der Sorgen um die Wirtschaft, darf es dabei kein Nachlassen oder gar Rückschritte geben“, mahnte Pilarsky-Grosch. Bei den Naturschutztagen wurde auch das Biodiversitätsstärkungsgesetz genauer unter die Lupe genommen – die Halbzeitbilanz fiel laut den Umweltverbänden Nabu, Bund, LNV und proBiene allerdings durchwachsen aus. Fünf Jahre nach Inkrafttreten des Biodiversitätsstärkungsgesetzes habe sich das Land zwar in vielen Bereichen auf den Weg gemacht, an zentralen Stellen brauche es aber deutlich mehr Engagement, sagte Pilarsky-Grosch.

Bestnoten hat die Landesregierung für die ökologische Pflege landeseigener Grünflächen erhalten. Am schlechtesten sieht es bei der Umsetzung des Verbots von Pestiziden in privaten Gärten aus. Eine Senkung des Pestizideinsatzes um bislang nur 12 Prozent sei angesichts des Artensterbens bei Feldvögeln und Insekten nicht ausreichend, sagte der Nabu-Landesvorsitzende Johannes Enssle. Angestrebt werde eine Verringerung um 40 bis 50 Prozent bis 2030. Auch die Bioanbaufläche wachse zu langsam, in fünf Jahren um nur drei Prozentpunkte auf 15 Prozent, sagte Tobias Miltenberger, Geschäftsführer von proBiene. Angestrebt seien im Gesetz 40 Prozent.

Bei der Umsetzung des Schottergartenverbots werfen die Verbände der Landesregierung Untätigkeit vor. „Obwohl die rechtliche Verbotslage mittlerweile klar ist, wird nichts gegen vorhandene Schotterwüsten unternommen, selbst neue werden vielerorts angelegt“, sagte der LNV-Landesvorsitzende Gerhard Bronner. Ein Lichtblick seien etliche Städte und Gemeinden, die sich des Themas eigenständig angenommen hätten. Besseres Feedback erhält die Landesregierung in der Evaluation hingegen beim Schutz von Streuobstwiesen und beim Biotopverbund, der Lebensräume vernetzen soll.

Das Biodiversitätsstärkungsgesetz war aus dem Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Bienen“ hervorgegangen und strebt mehr Artenvielfalt und eine zukunftsfähige Landwirtschaft an. Viele der formulierten Ziele sollen bis 2030 erreicht werden. Die nächste Landesregierung müsse nach den Landtagswahlen am 8. März konsequent nachsteuern, sagte Pilarsky-Grosch. (0014/04.01.2026)