Wie viele rote Herzchen er jeden Tag auf Torten spritzt, hat Konditor Matthias Max nie gezählt. „Das sind bestimmt 400“, schätzt der Hamburger. In diesen Tagen sind es auf jeden Fall mehr als sonst: Vor Valentinstag sind seine süßen Kreationen besonders gefragt. „Am beliebtesten ist die Buttercreme-Torte mit kleinen Herzchen“, erzählt der 55-Jährige, der in diesem Jahr neue Bento-Törtchen für Paare kreiert hat. In seiner Patisserie und Konditorei „Herr Max“ gibt es auch Herzkekse, Petit Fours oder Kussmundpralinen. „Seit Corona ist die Nachfrage zum Valentinstag gestiegen“, sagt er und pinselt goldenen Glitzer auf Marzipanherzen. Süße Geschenke sind zum Valentinstag ein Klassiker.
Warum Valentin von Terni zum Symbol der Liebe wurde
Der Ursprung des Valentinstags reicht bis ins 3. Jahrhundert zurück: Trotz Verbots hat Valentin von Terni in Rom heimlich Liebespaare nach christlichem Ritus getraut, er galt als Schutzpatron der Liebenden. Auf Befehl des Kaisers wurde er am 14. Februar 269 enthauptet. Papst Gelasius führte 496 den Gedenktag des heiligen Valentinus ein. Seit dem 14. Jahrhundert wurde der Tag mit romantischer Liebe verbunden, Paare tauschten Gedichte und kleine Geschenke aus. Hierzulande wurde der Brauch nach dem Zweiten Weltkrieg durch US-Soldaten eingeführt und gehört seitdem auch zur deutschen Kultur.

Für viele Pärchen ist der 14. Februar ein romantischer Tag, christliche Kirchen bieten Gottesdienste und Segen für Liebende an. Für andere ist der Tag nur ein Konsum-Event für Restaurants, Supermärkte und Blumenläden. Wegen der Konkurrenz zum Karneval rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) in diesem Jahr mit weniger Umsatz. Trotzdem planen laut HDE-Umfrage 20 Prozent der Deutschen, etwas zum Valentinstag zu kaufen. Der Handel rechnet mit zusätzlichen Umsätzen von 1,18 Milliarden Euro.
Valentinstag und Schönheitswahn – wo bleibt die Grenze?
Manches nimmt kritische Dimensionen an. So warnt etwa die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) vor Sonderangeboten dubioser „Beauty Docs“ zum Valentinstag: Wer viel in den sozialen Medien unterwegs ist, werde häufiger mit Werbeanzeigen konfrontiert, die ästhetische Behandlungen und plastische Operationen zu günstigen Preisen oder Pauschalen bewerben. „Rabattaktionen, Preisnachlässe oder werbliche Anreize haben in der Medizin nichts verloren“, erklärt DGÄPC-Präsidentin Michaela Montanari.
Dass Menschen am Valentinstag überhaupt Geschenke machen wollen, liegt für Marie-Kristin Döbler auch am Handlungs- und Vergleichsdruck. „Weil wir dem Valentinstag und den damit verbundenen Erwartungen in der Werbung, in Geschäften, Restaurants oder in Gesprächen ständig begegnen, halten wir es auch für normal oder richtig oder wichtig, entsprechend zu handeln“, sagt die Wissenschaftlerin am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München. Manchen sei das Schenken ein wirkliches Bedürfnis, andere fürchten vielleicht insgeheim Sanktionen, wenn sie Erwartungen nicht erfüllen.
Valentinstag: Warum persönliche Geschenke mehr bedeuten
Worauf sollten Paare beim Schenken achten? „Wichtig ist, dass es der beschenkten Person und nicht nur mir gefällt oder schmeckt“, sagt die Soziologin. Ein persönliches Geschenk habe eine größere Wirkung als eines von der Stange. „Man kann eine Playlist zusammenstellen, eine Fotocollage basteln oder eine Karte schreiben, auf der man sagt, was man alles am anderen mag oder schätzt“, sagt Döbler. Möglich sei auch, über seinen Schatten zu springen und etwas mitzumachen, was der andere gern tut, etwa als Spielemuffel mal Brettspiele rausholen.
Nicht zuletzt bietet der Valentinstag die Chance, im Alltag innezuhalten und die Beziehung in den Fokus zu rücken. Um diese bewusstere Haltung aufrecht zu erhalten, gebe es viele Möglichkeiten. Denkbar seien Rituale und sich jeden Abend zu sagen, was einem am anderen an diesem Tag gefallen hat. „Man kann sich auch regelmäßig einen Termin im Kalender blockieren, an dem man nur als Paar etwas macht“, sagt Döbler.
Kleine Gesten mit großer Wirkung zum Valentinstag
Sehr beliebt seien derzeit „kleine Challenges“, etwa dass sich Paare gegenseitig immer eine Überraschung aus dem Supermarkt mitbringen oder ein Foto schicken, wenn sie bei der Arbeit eine Kaffeepause machen und damit sagen: Ich denk an dich.
Auch Konditor Max denkt schon über den 14. Februar hinaus. Als nächstes stehen Ostern, Muttertag und Hochzeiten an. „Ich liebe es, kreativ zu werden und mag schräge Ideen“, sagt Max. Dass es in seinem Job das ganze Jahr über um Liebe und Herzen geht, stört ihn überhaupt nicht: „Ich liebe Herzen!“
