Die Evangelische Kirche im Rheinland fordert dazu auf, christlichem Nationalismus entgegenzutreten. Dies sei eine Bildungsaufgabe insbesondere für die Kirchen, erklärte die rheinische Landessynode am Dienstag in Bonn. Man sehe mit Sorge, dass weltweit Religion, auch das Christentum, zur Legitimation von Nationalismus, imperialer Machtpolitik und Migrationsfeindlichkeit missbraucht werde. Dabei würden christliche Symbole, biblische Erzählungen und prominente Persönlichkeiten wie Dietrich Bonhoeffer umgedeutet. Religiöser Nationalismus behaupte einen rassistischen Kampf der Kulturen und stehe für eine Retraditionalisierung der Geschlechterrollen.
Als Beispiele nannte das Kirchenparlament US-Präsident Donald Trump und seine MAGA-Bewegung sowie die Machtpolitik des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die von der Leitung der russisch-orthodoxen Kirche offen unterstützt werde. Aber auch in Europa und Deutschland suchten politische Akteure im Umfeld der extremen Rechten eine christliche Legitimation ihrer Politik, hieß es: „Das Christentum wird sinnentstellend als Ressource zur Rechtfertigung gewalttätiger Machtpolitik, reaktionärer Wertvorstellungen und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit verwendet.“
„Nationalismus und imperiale Machtpolitik widersprechen fundamental der einen, allumfassenden Liebe Gottes, wie sie sich in Jesus Christus offenbart“, erklärte die Synode und verwies auf die Barmer Theologische Erklärung von 1934, mit der sich die Bekennende Kirche in der NS-Zeit von den regimetreuen „Deutschen Christen“ abgrenzte. Kirche habe nicht die Aufgabe, Macht zu legitimieren.
Auch der leitende Theologe der rheinischen Kirche, Präses Thorsten Latzel, hatte am Freitag in seinem Jahresbericht eine Instrumentalisierung von Religion beklagt – etwa durch Trump, der sich als messianische Rettergestalt darstelle. „Wir erleben eine Verquickung von Politik, Populismus und Religion, die sich noch verstärken kann“, sagte er und verwies darauf, dass US-Vizepräsident J.D. Vance das brutale Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten theologisch rechtfertige. Auch hierzulande gebe es „Christfluencer, die die Nähe zu rechtsextremen Parteien wie der AfD suchen“.