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Leitende Geistliche: Weihnachten ist “Trotzreaktion der Hoffnung”

Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dorothee Wüst, hat das Weihnachtsfest „eine Trotzreaktion der Hoffnung“ genannt. Angst, Erschöpfung und Verunsicherung prägten das Lebensgefühl vielerorts, sagte Wüst in ihrer Botschaft in Speyer. Krisen sollten weder verdrängt werden noch solle man sich von ihnen bestimmen lassen. Weihnachten stehe für Gottes Nähe inmitten der Dunkelheit und für ein Licht, das die Finsternis durchbreche.

Aus dieser Trotzreaktion der Hoffnung erwachse eine Kraft, sich nicht in Rückzug, Zynismus oder Gleichgültigkeit zu verlieren, sondern innezuhalten, sich einander zuzuwenden und Gemeinschaft zu stärken, sagte Wüst.

Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, hob die Friedensbotschaft von Weihnachten hervor. Die Ankündigung der Geburt Jesu mit dem Ruf der Engel „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“ (Lukas 2,14) sei schon damals in einer konfliktreichen Zeit erklungen, sagte Hofmann in Kassel. Die Römer hätten das Land besetzt, die Hirten als Empfänger der Ankündigung seien Außenseiter der Gesellschaft gewesen.

Unruhe und Angst gebe es heute wie vor 2.000 Jahren, sagte die Bischöfin: „Die Diskussionen um Wehrpflicht und Zivilschutz lassen die Bedrohung spürbar werden.“ Dazu kämen immer wieder erschreckende Bilder und Nachrichten aus der Ukraine, dem Nahen Osten und dem Sudan. Doch mit Jesus Christus beginne zu Weihnachten Friede und Vertrauen. Die Engel mit ihrem Ruf „laden uns ein, Gott neu zu entdecken und sein Wirken unter uns zu erleben in Momenten des Friedens, bei Besuchen und Gesprächen, beim gemeinsamen Essen, in weihnachtlicher Ruhe und hoffentlich auch in den Schützengräben.“

Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Christiane Tietz, beschrieb Weihnachten als Quelle von Hoffnung. „Gott kommt in unsere Welt. Gott ist da, auch in dunklen Zeiten. Wir sind mit unserer Welt nicht allein“, sagte Tietz in Darmstadt. „Lasst uns das Hoffen wieder lernen! Hoffnung macht aus unserer Sehnsucht nach einer helleren Welt Tatkraft.“

An Weihnachten hätten die Engel den Hirten nachts die Botschaft überbracht: „Fürchtet euch nicht“ und „Friede auf Erden“. Tietz hob hervor: „Gott berührt auch heute die Herzen von Menschen, so dass sie ihre Furcht verlieren und Frieden wird.“

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, knüpfte daran an, indem er Weihnachten eine „Mut-Botschaft“ nannte. Das Fest ziele auf „Ent-Fürchtung“, Lebensmut und neue Beherztheit, sagte Latzel in Düsseldorf. Angst lähme und spalte die Gesellschaft. Extremisten würden dieses Gefühl zusätzlich befeuern und versuchten, aus Krisen politisches Kapital zu schlagen.

Mitten in der dunkelsten Zeit des Jahres gehe es an Weihnachten um Licht, Liebe, Gemeinschaft und Gottes Hilfe für die Menschen, sagte Latzel. Die Weihnachtsgeschichte mit Jesus Christus als neugeborenem König sei „ein Gegenprogramm zu Augustus und Herodes, Putin, Xi Jinping und Trump, den Gewaltherrschern aller Zeiten“, betonte der Theologe. „Gott ist bei uns und lässt uns mit unserem ganzen Schlamassel nicht allein.“