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Lehrerpräsident: Digitale Kontakte erhöhen Druck auf Lehrkräfte

Erreichbarkeit durch moderne Kommunikationsmittel setze Lehrkräfte unter Druck, warnt der Präsident des Lehrerverbandes. Zugleich sieht er die Vorteile digitaler Kontakte mit Eltern und Schülern.

Permanente Erreichbarkeit überfordert Lehrkräfte und verlangt klare Grenzen im Schulalltag
Permanente Erreichbarkeit überfordert Lehrkräfte und verlangt klare Grenzen im SchulalltagImago / Cavan Images

Ständige Erreichbarkeit kann für Lehrkräfte zur Belastung werden – davon ist der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Stefan Düll überzeugt. Die Kontaktaufnahme zwischen Lehrern und Eltern sei durch Chatprogramme und Elternportale zwar leichter geworden, sagte er der Augsburger Allgemeinen. “Aber insgesamt gibt es mehr Kanäle und damit mehr Informationsrauschen. Die Digitalisierung senkt natürlich die Hemmschwelle, Lehrkräfte zu kontaktieren.”

Digitalisierung verändert den Lehreralltag spürbar

Das verdichte deren Alltag, führte Düll aus: “Es gibt die Gefahr der Entgrenzung von Arbeitszeit, weil Eltern, Schüler oder Kollegen theoretisch 24 Stunden am Tag Nachrichten schicken können.” Lehrer bräuchten daher eine professionelle Distanz. “Das bedeutet auch, dass ich für mich festlege, wie ich mit Nachrichten umgehe, die dienstlich sind.” Diese müsse man weder direkt lesen noch beantworten.

Allerdings habe sich bei den Eltern die Erwartungshaltung verändert, gab Düll zu bedenken, der selbst Schulleiter ist und am Gymnasium unterrichtet. “Nicht nur digital. Es gibt auch Eltern, die einfach in der Schule auftauchen und sofort Zeit erwarten. Da ist es hilfreicher, Anliegen kommen schriftlich und man kann als Lehrkraft überlegt reagieren. Die Anspruchshaltung, alles ‘sofort’ geklärt haben zu wollen, darf generell nicht zur Norm werden.” Das gelte nicht nur in der Schule.

Digitalisierung bringt auch neue Chancen und mehr Austausch

Auch dass sich Lehrkräfte ständig in neue Tools, Plattformen und Themen einarbeiten müssten, erhöhe die Arbeitsbelastung, so Düll. Dafür bleibe im Alltag kaum Zeit. “Aber unter dem Strich vereinfacht die Vernetzung die Kommunikation an vielen Stellen. Man ist nicht auf die kurze Zeit zwischen Unterrichtsstunden begrenzt und muss ‘zwischen Tür und Angel’ reagieren. Außerdem werden Probleme an uns herangetragen, über die wir sonst vielleicht nicht Bescheid gewusst hätten.”