In Zusammenarbeit mit dem Kinoportal filmdienst.de und der Katholischen Filmkommission bietet die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) Kurzkritiken zu Filmen an, die ab Donnerstag, 22. Januar, in den deutschen Kinos anlaufen – sortiert nach Bewertung (siehe unten) und bei gleicher Anzahl der Sterne nach Alphabet:
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Kurz vor dem Schulabschluss und dem Militärdienst unternimmt eine Klasse israelischer Oberschüler eine Reise durch Polen. Sie besuchen dort ehemalige Vernichtungslager und Holocaust-Gedenkstätten als eine Art Übergangsritual, da sie sich in der Fremde auch mit ihrer persönlichen Geschichte und Identität beschäftigen müssen. Das Drama zeigt die Schüler dabei zwischen Gruppendynamik, Betroffenheit, Zwängen und dem pubertären Bedürfnis nach Eskapismus und Liebeleien. Konflikte bleiben nicht aus, doch am Ende erweisen sich in dem mit viel Gespür für jugendliche Befindlichkeiten inszenierten Film persönliche Erkenntnisse als wichtiger als die von Lehrbeauftragten verordneten Rituale. – Sehenswert ab 14.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/621534/delegation
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Jugendfilm; Deutschland 2026; 104 Minuten; Regie: Tim Dünschede.
Das als “Drei ???” erfolgreiche jugendliche Detektivtrio aus Kalifornien wird von einem mysteriösen Auftraggeber auf einen Geheimbund von Archäologen aufmerksam gemacht. Seine Mitglieder führen auf einer Vulkaninsel im Südpazifik fragwürdige Ausgrabungen durch, finanziert von einem angesehenen Geschäftsmann. Die Jungdetektive nehmen die Spur auf. Dritte Neuverfilmung der “Drei ???”-Kinderkrimis mit einem exotischen Schauplatz, Verfolgungsjagden und anderen Sequenzen, die zielgruppengemäße Spannung erzeugen. Mitunter etwas redselig, punktet der Film vor allem durch die mittlerweile blendend aufeinander eingespielten jugendlichen Spürnasen. – Ab 10.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/624208/die-drei-toteninsel
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Anfang der 1580er-Jahre erhört Agnes Hathaway aus der kleinen Stadt Stratford-upon-Avon das Werben des Lateinlehrers William Shakespeare und bekommt mit ihm drei Kinder. Auch wenn sich der angehende Bühnenautor oft in London aufhält, verläuft das Familienleben glücklich, bis der Sohn Hamnet an der Pest stirbt. Die Trauer verarbeitet Shakespeare in seinem Drama “Hamlet”. Das großartig fotografierte und in den Hauptrollen (Jessie Buckley, Paul Mescal) eindringlich gespielte Melodram imaginiert das Ehe- und Familienleben Shakespeares sowie dessen fiktionale Verarbeitung. Bisweilen wird dabei aber etwas viel Schicksals- und Todessymbolik bemüht, um die tragische Geschichte emotional zu grundieren. Bei den Golden Globes wurde “Hamnet” als bestes Drama ausgezeichnet und Jessie Buckley als beste Schauspielerin. – Ab 14.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/624034/hamnet
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Vor ihrem Durchbruch als Kinderbuchautorin mit “Pippi Langstrumpf” (1945) führte Astrid Lindgren (1907-2002) während des Zweiten Weltkriegs Tagebücher, in denen sie auch Gedanken und Ängste über das Kriegsgeschehen und ihre Arbeit in der Postzensur notierte. Der Dokumentarfilm setzt die erst posthum veröffentlichten Aufzeichnungen mit Spielszenen sowie mit Interviews mit Lindgrens Nachfahren um und widmet auch den Problemen in ihrem Privatleben viel Aufmerksamkeit. Dem formal routiniert erzählten Film geht es insbesondere um die Notizen, die Astrid Lindgren als mitfühlenden, politisch denkenden Menschen zeigen, der Nazi-Deutschland und die Sowjetunion mit Sorge und Abscheu betrachtete und Empathie gegenüber den Kriegsopfern bezeugte. Die unaufgeregte Machart lässt sich dabei auch als Huldigung an die reflektierte Haltung Lindgrens begreifen. – Ab 14.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/623861/astrid-lindgren-die-menschheit-hat-den-verstand-verloren
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Lena, Leni, Eleyna und Lisann heißen vier Mädchen, die von ihren Familien getrennt wurden und mit anderen in einer betreuten Wohngruppe in einer evangelischen Jugendhilfe-Einrichtung leben. Über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitet der Dokumentarfilm die vier Protagonistinnen durch Höhen und Tiefen und stellt dabei konsequent deren Sichtweise in den Mittelpunkt. Wenngleich vieles im Vagen bleibt, etwa die Vorgeschichten der Mädchen und der zeitliche Rahmen der Fortschritte, wirkt der Film sehr stark nach und erzählt über die Bedeutung von Nähe und Selbstwertgefühl als universelle Gefühle der Kinder und Jugendlichen. – Ab 14.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/625771/das-fast-normale-leben
* (Wiederaufführung)
Ein Junge, der von seinen Mitschülern terrorisiert wird, begegnet auf dem Hof seines Wohnblocks einem seltsamen Mädchen. Die neue Nachbarin erweist sich als Vampir, dem ein älterer “Beschützer” menschliche Nahrung beschafft. Zwischen ihr und dem Jungen entwickelt sich eine Beziehung, in der der Außenseiter zwar Anschluss und Schutz findet, die ihn aber auch in neue Abhängigkeit führt. Düsteres Horror-Drama, das trotz der jugendlichen Protagonisten keine kindgerechte Schauerromantik, sondern eine Fabel für Erwachsene erzählt und um Opfer-Täter-Dynamik, Wut und Einsamkeit kreist. – Ab 16.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/532434/so-finster-die-nacht
Ein Dokumentarfilm über ein 15-jähriges afghanisches Mädchen, das beim Versuch, mit seiner Familie in die EU zu gelangen, in einem behelfsmäßigen Lager in Bosnien strandet. Während die Jugendliche auf eine weitere Möglichkeit zum Grenzübertritt in die Europäische Union wartet, begegnet sie einer muslimischen Kriegerwitwe, die sie unter ihre Fittiche nimmt und die sich durch ihr Schicksal an die Zeit des jugoslawischen Bürgerkriegs erinnert fühlt. Auch wenn manche Szene etwas übermäßig inszeniert erscheint, hinterlassen die Protagonistinnen durch ihre Persönlichkeit einen bewegenden Eindruck. Dem beobachtenden Film gelingt ein einfühlsames Porträt von Menschen und ihren Träumen, die in den Medien meist übersehen werden. – Ab 14.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de:
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Im Januar 2024 kam die fünfjährige Palästinenserin Hind Rajab bei einer israelischen Militäraktion im Gazastreifen ums Leben, nachdem sie mehrere Stunden lang in einem zerschossenen Auto neben den Leichen ihrer Verwandten auf Hilfe gewartet hatte. Das Kind konnte zuvor noch den Roten Halbmond alarmieren; bis es jedoch gelang, das Mädchen zu erreichen, kam jede Hilfe zu spät. Der Film rekapituliert dies in fiktionalisierter Form mit dokumentarischen Elementen: Die Handlung spielt in der Notrufzentrale; Hinds Warten auf Hilfe wird auditiv über ihre Gespräche mit Mitarbeitern des Roten Halbmonds vermittelt. Die kammerspielartige Fokussierung auf die Menschen in der Notrufzentrale, die zu Zeugen werden, ohne direkt eingreifen zu können, macht den Film zudem zum intensiven Ausdruck einer quälenden Hilflosigkeit. Eine politische Kontextualisierung der Opfergeschichte bleibt indes völlig aus. – Ab 16.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/625323/die-stimme-von-hind-rajab
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Ein französisches Ehepaar aus kleinbürgerlichen Kreisen verschlägt es unversehens aus dem Jahr 1958 in die Gegenwart, wo es mit Emanzipation, Diversität und Digitalisierung konfrontiert wird. Während die Frau ihre ungekannten Freiheiten aber schnell zu nutzen versteht, hadert der Mann schwer mit dem Verlust seiner Privilegien. Mit hohem Tempo, Slapstick und klaren Kontrasten nutzt die Komödie das Zeitreise-Genre, um Patriarchat und Nationalismus satirisch zu hinterfragen. Die Darsteller spielen den Kulturschock genüsslich aus und sorgen für viel Komik, auch wenn es sich der Film insgesamt etwas zu leicht macht. – Ab 14.
Ausführliche Credits, Texte und Bilder bei filmdienst.de: https://www.filmdienst.de/film/details/625600/die-progressiven-nostalgiker
Eine Frau möchte sich von ihrem Ehemann trennen, worauf dieser Unterstützung bei gemeinsamen Freunden sucht. Die Lösung ihres Problems könnte einfach sein: Sie beginnen, eine offene Ehe zu führen. Doch dadurch entsteht auch eine Menge Chaos.
Dokumentarfilm über den Jesuiten, Geologen und Botaniker Theodor Wolf (1841-1924), der vor allem durch seine Arbeit in Ecuador bekannt wurde. Doch über seine Kinder, die in Südamerika zur Welt kamen, sprach er nach der Rückkehr in Deutschland nie. Der Film arbeitet die Lücken in der offiziellen Vita von Wolf auf.
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ZU DEN BEWERTUNGEN NACH ANZAHL DER STERNE:
5 Sterne: herausragend, ein Meisterwerk
4,5 Sterne: eindrucksvoll, ausgefeilt, lange nachwirkend
4 Sterne: sehr gut, ambitioniert, lohnenswert
3,5 Sterne: beachtlich, gekonnt, anregend
3 Sterne: solide und interessant
2,5 Sterne: ganz okay, guter Durchschnitt
2 Sterne: wenig aufregend, Mittelmaß
1,5 Sterne: inkonsequent, mit Schwächen
1 Stern: dürftig, enttäuschend
0,5 Sterne: schlicht, dilettantisch
0 Sterne: ärgerlich, anstößig, eine Zumutung