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Kolumbiens Präsident spekuliert über Jesus und besucht Trump

In einer eigenwilligen Rede greift das kolumbianische Staatsoberhaupt alte und wenig originelle Mutmaßungen über Jesus auf – und sorgt damit für Befremden. Dabei stehen außenpolitisch ganz andere Themen auf der Agenda.

Über das Leben von Jesus Christus haben sich schon viele Staatsoberhäupter ihre eigenen Gedanken gemacht. Für den von den USA verhafteten und entführten ehemaligen venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro stand fest: Jesus war in Wahrheit ein Palästinenser. Ganz nebenbei zog Maduro den Beginn der Weihnachtszeit gerne mal auf den Oktober vor.

Nun hat sich auch Kolumbiens Präsident Gustavo Petro an eine bizarre Analyse über das Leben von Jesus Christus herangewagt und sich dabei laut kolumbianischen Medienberichten besonders mit dessen Liebesleben befasst. Laut “El Tiempo” stellte Petro in einer insgesamt vierstündigen Rede die traditionelle historische Darstellung Jesu in Frage und versicherte, dass Christus “Liebe gemacht” habe, und zwar “vielleicht mit Maria Magdalena”. Sich selbst stellte der linke Staatschef jüngst das Zeugnis aus, ein guter Liebhaber zu sein. Öffentlich witzelte er, dass Ministerinnen und hohe Funktionsträgerinnen in dem Ruf ständen, seine Freundinnen zu sein, was ihm den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit einbrachte.

Die weitschweifigen Spekulationen über das Liebesleben des Heilands lösten zunächst in den sozialen Netzwerken eine Debatte aus, dann folgte eine indignierte Reaktion der Kolumbianischen Bischofskonferenz. Barranquillas Weihbischof Edgar Jesús Mejía Orozco kritisierte die präsidialen Einlassungen in der Sendung “6AM W” als eine Beleidigung des Glaubens, nicht nur für Katholiken, sondern für alle Christen. “Es gibt keinen Teil des Evangeliums oder der Bibel, der die Äußerungen des Präsidenten in seiner Ansprache stützt”, erklärte Mejía Orozco.

Der Weihbischof nahm Bezug auf die Stellungnahme seiner Amtsbrüder. Als oberster Vertreter des kolumbianischen Volkes sei der Präsident der Erste, der dafür sorgen müsse, dass das Gesetz eingehalten werde. Es gebe einige Rechtsgrundsätze, die besagten, dass Beamte den Glauben schützen, fördern, bewahren müssten – und nicht das Gegenteil. “Wir empfinden dies als einen Angriff auf die Grundsätze der Christen”, sagte der irritierte Geistliche. Und nicht nur er schien sich zu fragen: Was wollte Petro eigentlich mit seiner wirren Rede bezwecken?

Andere Institutionen infrage zu stellen, kennzeichnet den politischen Weg Petros. Als Bürgermeister von Bogotá suchte der Ex-Guerillero den öffentlichen Streit mit der damaligen Regierung. Als Präsident von Kolumbien ging er in Konfrontation mit US-Präsident Donald Trump und rief bei einem Besuch in New York die US-Armee zu Ungehorsam auf. Daraufhin beschimpfte ihn Trump als Drogenboss und warnte, Petro könne ein ähnliches Schicksal ereilen wie Maduro.

Nach einem Telefonat der beiden Heißsporne entspannte sich die Lage. Nun wird der Kolumbianer am Dienstag zu Besuch im Weißen Haus erwartet. Dort dürfte neben dem Thema Venezuela auch die förmlich explodierte Kokain-Produktion in der Präsidentschaft Petros zur Sprache kommen.

US-Außenminister Marco Rubio machte allerdings klar, dass die USA Petro und Maduro nicht auf die gleiche Stufe stellen: “Wir bestreiten nicht, dass Petro der rechtmäßig gewählte Präsident Kolumbiens ist, auch wenn er nicht immer gut über uns spricht”, erklärte Rubio.

Petro regiert Kolumbien seit August 2022; seine Amtszeit endet in wenigen Monaten. Die Verfassung verbietet eine erneute Kandidatur. Über die Nachfolge entscheiden die Kolumbianer im Mai.