Die Selbsteinschätzung der eigenen digitalen Kommunikation liegt laut einer Studie häufig daneben. Manche Menschen glauben, sie antworten zu langsam, andere denken, sie schreiben immer mehr als andere, wie Studienautorin Olya Hakobyan von der Universität Bielefeld am Dienstag erklärte. Die Auswertung von WhatsApp-Daten zeige, „dass diese Annahmen häufig so nicht stimmen“, sagte die Wissenschaftlerin, die an der Universität Verhaltensprozesse erforscht.
Die Studie zeige, dass persönliche, datenbasierte Rückmeldungen helfen könnten, das eigene Kommunikationsverhalten besser zu verstehen. Digitale Kommunikation präge den Alltag, doch viele Menschen wüssten „erstaunlich wenig darüber, wie sie selbst chatten“, erklärte Hakobyan, die gemeinsam mit der Professorin für menschenzentrierte Künstliche Intelligenz, Hanna Drimalla, die Forschung im Fachjournal „Computers in Human Behavior“ veröffentlicht hat. Untersucht wurden mehr als 300 WhatsApp-Chats von knapp 70 Personen.
Für die Studie hätten Forschende der Universität Bielefeld anonymisierte WhatsApp-Metadaten genutzt, um solche Fehleinschätzungen sichtbar zu machen, erklärte die Universität. Es seien Meta-Daten wie Informationen zu Antwortzeiten oder Nachrichtenlängen untersucht und visuell aufbereitet worden. Die Teilnehmenden konnten so den Angaben zufolge erstmals sehen, wie ihr eigenes Verhalten im Vergleich zu ihrer Selbsteinschätzung aussieht.
Falsche Wahrnehmungen könnten Beziehungen belasten, etwa wenn jemand glaube, immer zu spät zu antworten, hieß es. Die Studie zeige, dass präzises Feedback solche Irrtümer korrigieren könne. Wer sein Kommunikationsmuster besser verstehe, könne digitale Beziehungen langfristig achtsamer und zufriedener leben.