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Forderung nach mehr Mitsprache der Pflege – Kritik an Ausgrenzung

Die Pflege ist der größte Berufszweig im Gesundheitswesen. Doch bei der Mitbestimmung hakt es. Der Deutsche Pflegerat fordert eine Abkehr von ärztezentrierten Entscheidungsstrukturen.

Eine anhaltende Ausgrenzung der Pflege aus den Entscheidungsgremien von Politik und Gesundheitssystem beklagt die Präsidentin des Deutschen Pflegerates, Christine Vogler. Die Steuerungsmacht bei gesundheitspolitischen Themen liege vor allem bei Ärzteorganisationen, Kassen, Ländern und Kommunen, kritisierte Vogler am Donnerstag bei einer Anhörung des Deutschen Ethikrates zu ethischen Herausforderungen in der häuslichen und stationären Langzeitpflege.

Die Pflege werde weiterhin nicht als gleichberechtigte Akteurin gesehen, ergänzte Vogler. Sie sei etwa nicht im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem obersten Beschlussgremium der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, stimmberechtigt. Solange pflegerische Expertise nicht an den Entscheidungstischen sitze, fehlten Wissen und notwendige Perspektiven für eine gute und sichere Versorgung. Das wiederum sorge für neue Fehlanreize.

Vogler forderte die Politik auf, der Pflege mehr Geltung in Entscheidungsgremien zu verschaffen und die Selbstorganisation der 1,7 Millionen Pflegenden zu verbessern. Während Institutionen wie die Bundesärztekammer auf hunderte hauptamtliche Kräfte zurückgreifen und eigene Positionen entwickeln könne, habe der Deutsche Pflegerat ganze acht hauptamtliche Mitarbeiter.

Die Politik habe auch die Bedeutung von Pflegekammern für die Berufsgruppe und die Versorgung insgesamt noch nicht verstanden, so Vogler. Es gebe in Deutschland immer noch keine einheitliche Berufsordnung, eine regelmäßige Registrierung und Erfassung der Berufsangehörigen oder eine Fort- und Weiterbildungspflicht. Das alles wäre notwendig, um die Pflege in Deutschland aufzuwerten.

Die Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK), Vera Lux, sprach sich dafür aus, die stark arztzentrierten Versorgungsstrukturen durch “multiprofessionelle Modelle” weiterzuentwickeln. Die Pflege müsse in die anstehende Krankenhausreform einbezogen werden: Um die Qualität der Versorgung tatsächlich zu verbessern, müsse den Pflegeberufen und deren Expertise mehr Bedeutung beigemessen werden. Mit Blick auf das Ziel der Gesundheitspolitik, mehr Gewicht auf die ambulante Versorgung zu legen, warnte Lux, dann müsste auch die ambulante Pflege verbessert werden. “Sie ist derzeit noch schlechter aufgestellt als die stationäre Pflege.”

Der Deutsche Ethikrat bereitet eine Stellungnahme zur Langzeitpflege vor. Es geht darum, wie sich Langzeitpflege trotz Fachkräftemangels und veränderter Familienstrukturen würdevoll organisieren lässt.