Nichtsahnend hatte sich eine Kita-Gruppe mit fünf Kindern und zwei Erzieherinnen am 22. Januar vor einem Jahr gegen Mittag auf den Weg durch den Aschaffenburger Park Schöntal gemacht. Ein damals 28-jähriger Afghane griff die Gruppe völlig unvermittelt mit einem Messer an. Zwei Menschen starben, drei wurden teils schwer verletzt. Dem ersten Entsetzen folgte eine hitzige Asyl-Debatte. Diesen Donnerstag (22. Januar) wird bei einer Gedenkfeier in der evangelischen Christuskirche an die Opfer erinnert.
Seit der Tat vor einem Jahr ist viel passiert. Die Stadt hat bereits mit den Planungen für einen Gedenkort im Park Schöntal begonnen. Oberbürgermeister Jürgen Herzing (SPD) sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), man habe die Geschehnisse inzwischen gemeinschaftlich aufgearbeitet, inzwischen sei wieder „eine gewisse Normalität in der Stadt eingekehrt“. Dabei hätten die vielen Gespräche und mit Sicherheit auch das Familienpicknick im Park Schöntal im vergangenen Sommer geholfen, erläuterte der Rathauschef.
Das Picknick habe „zum einen an die Tat und ihre Opfer erinnert“, sagte Herzing. Zugleich habe es aber auch „ein Zeichen für ein friedliches Zusammenleben gesetzt“. Denn schon kurz nach der Tat versuchten teilweise extrem rechte Gruppierungen und Parteien, das Messerattentat für ihre politische Agenda zu nutzen. So wurde ein angebliches Foto des 41-jährigen Mannes, der versuchte der Kita-Gruppe zu Hilfe zu eilen und dabei vom Täter erstochen wurde, auf Social-Media-Kanälen rechter Parteien geteilt und mit deren Logo versehen.
Zugleich folgte dem Schock über die Bluttat schnell eine hitzige Debatte über die Asyl-Politik in den letzten vier Wochen vor der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar. Landes- und Bundespolitiker überzogen sich gegenseitig mit schweren Vorwürfen – denn der Täter war abgelehnter Asylbewerber und eigentlich seit vielen Monaten ausreisepflichtig. Eine Abschiebung des mehrfach straffällig gewordenen Mannes wurde aber nicht forciert, weil er zuletzt im Dezember 2024 schriftlich seine freiwillige Ausreise angekündigt haben soll.
An diesem Donnerstag nun findet ab 18.30 Uhr eine Gedenkfeier in der evangelischen Christuskirche statt. Anders als bei der Trauerfeier vor rund einem Jahr werden keine hochrangigen politischen Vertreter von Land und Bund erwartet. Die Feier am Donnerstag gestalten unter anderem Oberbürgermeister Jürgen Herzing (SPD), der evangelische Dekan Rudi Rupp und sein katholischer Kollege Martin Heim. Die Gedenkfeier ist öffentlich, die Platzzahl allerdings begrenzt, deshalb wird die Feier auch auf Youtube live übertragen.
Bereits am Mittag findet zudem eine nicht öffentliche Gedenkveranstaltung in kleinem Rahmen mit den direkt Betroffenen des Messerattentats statt. Obwohl dieser Termin bislang nicht öffentlich gemacht wurde, gibt es nach Informationen des Evangelischen Pressedienstes (epd) bereits eine angemeldete Demonstration aus dem rechten Spektrum in direkter Nähe des geplanten Gedenkens. Schon kurz nach der Tat hatten Gruppen aus dem Spektrum mit Mahnwachen versucht, insgesamt Stimmung gegen Geflüchtete zu schüren.
Dass der Tatverdächtige so schnell nach der Messerattacke festgenommen werden konnte, war auch einem somalischen Geflüchteten zu verdanken, der den Afghanen verfolgt und die Polizei mit zu ihm gelotst hatte. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dankte ihm dafür und verlieh ihm die Bayerische Rettungsmedaille. Im April vergangenen Jahres wurde bekannt, dass der Somalier nach Italien ausreisen soll oder abgeschoben wird. Auch eine Petition änderte daran nichts. Inzwischen ist er ausgereist oder untergetaucht.
Das Landgericht Aschaffenburg hatte im Oktober 2025 in einem sogenannten Sicherungsverfahren entschieden, dass der afghanische Täter dauerhaft in einer Psychiatrie untergebracht werden muss. Ein Gutachter stufte den Mann als paranoid schizophren ein. (0121/18.01.2026)