Gegen die Spaltung angehen und die Werte der Demokratie hochhalten: Das hat sich Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident auf die Fahnen geschrieben. Nun wird er 70 und schiebt eine große Initiative für Engagement an.
Im Jahr 2026 begeht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gleich zwei besondere Ehrentage: Am 5. Januar feiert er seinen 70. Geburtstag und für den 23. Mai, den Tag des Grundgesetzes, ruft er zum ersten Mal zum gesellschaftlichen Ehrentag auf. Seinen Geburtstag wird er im Kreise der Familie verbringen, wie die Pressestelle des Bundespräsidialamts verriet. Doch im Mai hofft Steinmeier auf eine rege und breite Beteiligung.
Der neue Ehrentag auf Initiative des Staatsoberhaupts soll ein bundesweiter Mitmachtag für ehrenamtliches Engagement werden. Im Mai jährt sich die Verkündung des Grundgesetzes zum 77. Mal. Der Verfassungstag solle ein Tag sein, “an dem wir unser Land feiern, es gemeinsam hochleben lassen”, so Steinmeier. Wenn der Ehrentag sich dauerhaft etabliert, könnte er ein Vermächtnis seiner Zeit als Bundespräsident werden.
Als Staatsoberhaupt setzt Steinmeier seit seiner ersten Amtszeit eigene Akzente: Von Beginn an legt er einen Schwerpunkt seines Engagements darauf, Risse in der Gesellschaft zu kitten. Er lädt Menschen aus völlig unterschiedlichen Bereichen zu gemeinsamen Gesprächen in das Schloss Bellevue, seinen Berliner Amtssitz. Er verlagert seine Amtsgeschäfte regelmäßig an verschiedene Orte der Republik und veranstaltet dort Kaffeetafeln mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort. Sein Werben für eine soziale Pflichtzeit für junge Menschen sieht der Bundespräsident wie auch den Ehrentag als Beitrag zum Zusammenhalt.
Ermutigung, Zuversicht, einen positiven Blick bewahren – trotz Krisen und Erschütterungen, dafür wirbt er als Bundespräsident, nicht nur auf Kirchentagen. Dabei helfe ihm sein Glaube, sagte er einmal. Als Protestant sieht sich Steinmeier in der Tradition seiner Eltern: Sein Vater stammt aus dem evangelisch-reformiert geprägten Lippe in Ostwestfalen, seine Mutter aus dem evangelischen Teil Schlesiens. Er kommt aus eher einfachen Verhältnissen, aus einem Elternhaus “ohne Klavier und Bibliothek”, wie er selbst betont.
Steinmeier studierte Jura und promovierte. In der SPD machte er dann Karriere. Gleich zweimal wurde er in verschiedenen Bundesregierungen Außenminister. Mit Blick auf die von ihm mitentworfene Agenda 2010 und die Hartz-IV-Gesetze als damaliger Kanzleramtsminister mag das Thema seiner Doktorarbeit Kritiker dieser Sozialreformen verwundern: Er schrieb über Obdachlosigkeit und das Recht auf Wohnraum.
Das Thema ist ihm nach wie vor wichtig: Regelmäßig besucht Steinmeier Einrichtungen, die wohnungslose Menschen betreuen, zuletzt Mitte Dezember das Büro der Berliner Obdachlosenzeitung “Straßenfeger”. Dabei mahnte er, auch in Krisenzeiten gegen Wohnungslosigkeit zu kämpfen.
Vor fast vier Jahren begann Steinmeiers zweite Amtszeit – fast zur gleichen Zeit griff Russland die Ukraine an. Plötzlich rückte eine womöglich zu große Nähe des SPD-Politikers zu Russlands Staatschef Wladimir Putin an der Seite des früheren Kanzlers Gerhard Schröder in den Fokus. Die Kritik ging so weit, dass das deutsche Staatsoberhaupt wenige Wochen nach Kriegsbeginn von der Ukraine von einem gemeinsamen Besuch mit den Amtskollegen aus Polen, Lettland, Litauen und Estland in Kiew ausgeladen wurde.
Inzwischen ist die Debatte wieder etwas in den Hintergrund getreten. Vor mehr als einem Jahr übernahm Steinmeier die Schirmherrschaft für die Initiative für einen handlungsfähigen Staat, die im Sommer im Schloss Bellevue ihre Empfehlungen vorlegte und deren Autoren für einen schlankeren Staat und mehr Bürgernähe plädieren. Ende 2024 machte er als Bundespräsident nach dem Bruch der Ampel-Koalition von SPD, Grünen und FDP den Weg frei für die vierten vorgezogenen Neuwahlen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Steinmeiers Frau Elke Büdenbender, der er vor einigen Jahren eine Niere spendete, ist katholisch. Ihre Ehe betrachten sie als konfessionsverbindend und nicht als konfessionsverschieden. Und so erstaunt es nicht, dass er noch im ersten Jahr als Bundespräsident zusammen mit seiner Frau 2017 zum Antrittsbesuch in den Vatikan reiste, um Papst Franziskus zu treffen. Seinen Nachfolger, Papst Leo XIV., hat er bei seinem ersten Besuch nach Deutschland eingeladen.