Eine Ausstellung im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart gibt Einblicke in das Leben des NS-Widerstandskämpfers Rupert Mayer. Zu sehen ist sie von 23. Januar bis 14. Februar. Der Priester und Ordensmann, der vor 150 Jahren am 23. Januar 1876 in Stuttgart geboren wurde, habe früh die Menschenverachtung im Nationalsozialismus erkannt und sich trotz vieler Inhaftierungen viele Jahre nicht mundtot machen lassen, teilte das Katholische Stadtdekanat Stuttgart am Freitag mit. Mayer wirkte sein Leben lang als Geistlicher in München.
Die Ausstellung will laut Mitteilung zeigen, wie nah der Jesuitenpater den Menschen war: als Kind, das seine Kleider verschenkte, als Seelsorger für die zahlreichen Zuwanderer, denen er beistand, und als Präses der Marianischen Männerkongregation in München sowie als Seelsorger im Ersten Weltkrieg an der Front. „In seiner Hingabe für seine Mitmenschen kann er uns Vorbild sein“, sagte Simone Caliandro von der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Mitte.
1912 wurde Mayer in München Seelsorger für die Zuwanderer und 1921 Präses der Marianischen Männerkongregation. 1925 führte er die sonntäglichen Abendgottesdienste am Hauptbahnhof ein. In der Michaelskirche predigte Mayer lange nach der Machtübernahme durch die Nazis trotz Redeverbots offen gegen das NS-Regime, was ihm mehrere Inhaftierungen, unter anderem im Konzentrationslager Sachsenhausen, einbrachte. 1940 wurde er im Kloster Ettal unter Arrest gestellt. Nach Kriegsende kehrte er nach München zurück. Am 1. November 1945 starb er nach einem Schlaganfall während seiner Predigt.
Zu sehen sind in der Ausstellung auch Gegenstände, die mit Stuttgart in Verbindung stehen: etwa das hölzerne Schaukelpferd des jungen Rupert Mayer ebenso wie der Primizkelch, der in seinem Primizgottesdienst in St. Eberhard im Mai 1899 zum Einsatz kam. Ebenfalls zu sehen sind zwei Stolen, die von Pater Mayer stammen sollen. Die Ausstellung wird getragen von der Domgemeinde zusammen mit dem Katholischen Bildungswerk Stuttgart. (0136/16.01.2026)