Klima, Krieg, Krisen zu Hause – viele Kinder und Jugendliche sorgen sich. Doch wer hört noch hin? In Berlin könnte das Telefon bald ins Leere klingeln: Das Sorgentelefon „Nummer gegen Kummer“ erhält ab April keine Fördermittel mehr. Der Berliner Senat will laut Diakonie, Trägerin der Hotline, alle Mittel für das Kinder-, Jugend- und Elterntelefon streichen. Das kam für die Diakonie nicht nur kurzfristig, es ist auch denkbar kurzsichtig.
Ehrenamtliches Engagement: Mitteilstreichung ist Rückschlag
Die Streichungen der Mittel für die Telefonhotline ist, nach den drastischen Kürzungen, die der Bund unter anderem für die Freiwilligendienste angekündigt hat, ein weiterer Rückschlag für die soziale Arbeit und die Förderung des bürgerschaftlichen und ehrenamtlichen Engagements. Dabei fallen die Sparmaßnahmen in eine Zeit, in der wir als Gesellschaft mehr denn ja auf Engagement und Ehrenamt angewiesen sind. Förderangebote werden weniger, Mitarbeiterkreise kleiner, die Herausforderungen und Nöte dafür immer größer. Das System verlässt sich zusehends darauf, dass Freiwillige und Engagierte es schon richten werden.
Ehrenamt ist tragende Säule des Gemeinwohls
Das Ehrenamt ist längst eine tragende Säule von Gemeinwohl und Solidarität. Es ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Hier zu kürzen ist grotesk und falsch. In einer zunehmend individualisierten Gesellschaft kann der Einsatz und das Engagement von Ehrenamtlichen nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dies gilt es besonders zu schützen und zu fördern. Ehrenamtliches Engagement, wie der Dienst am Sorgentelefon, hilft nicht nur denen, die dort anrufen und ihren Kummer loswerden können. Es fördert soziale Bindungen, holt Menschen aus ihren „Blasen“ heraus, verbindet sie miteinander und fördert insgesamt das Mitgefühl und Verständnis der Menschen untereinander.
Sorgen der Jugend sind zu teuer
Etwa 100 Mitarbeitende des Sorgentelefons in Berlin haben bislang jährlich etwa 10 000 Anrufe entgegengenommen. Auf den ersten Blick scheint das keine überwältigend große Zahl. Doch die Wirkung, das Signal, das mit der Entscheidung aus Berlin gesendet wird, ist fatal: Die Sorgen der Jugend sind zu teuer, die Arbeit der 100 Ehrenamtlichen ist nicht genug wert. Nicht zu vergessen die Botschaft, die darüber hinaus gesendet wird: Bei den Ehrenamtlichen, bei den Hilfsangeboten können wir sparen, das ist ja nicht so wild. Ist es aber doch. Jeder Anruf, der ins Leere klingelt, ist einer zu viel.