Zurück zum Mond: Eine Dokumentation im Ersten zeigt die Vorbereitung der “Artemis 2”-Crew, gibt seltene Einblicke bei der NASA und erläutert, warum deutsches Know-how für die Mission unverzichtbar ist.
Bei der Mondlandung am 20. Juli 1969 hielt die Welt den Atem an, die legendären Apollo-Missionen zum Mond zogen die Menschen in ihren Bann. Das milliardenschwere Weltraumprogramm “Artemis” – eine ganze Reihe aufeinander aufbauender Missionen – möchte daran anknüpfen. Ende 2022 erfolgte mit “Artemis 1” eine unbemannte Mondumrundung. Die NASA-Mission “Artemis 2” soll nun eine neue Ära der bemannten Raumfahrt einläuten. Die Dokumentation “Artemis 2 – Zurück zum Mond” beleuchtet am 26. Januar um 22.20 Uhr in der Reihe “ARD Wissen” das internationalen Raumfahrt-Projekt. Sie stellt unter anderem die vier Astronautinnen und Astronauten vor und zeigt die Bedeutung Deutschlands für diese Mondmission.
Regisseurin Dorothea Nölle begleitet vor dem geplanten Start im ersten Halbjahr 2026 Commander Reid Wiseman (50), Pilot Victor Jerome Glover (49) und die Mission Spezialists Christina Koch (46) und Jeremy Hansen (49) bei ihrer Vorbereitung auf den gut 384.000 Kilometer langen Weg zum Mond. Die Crew aus drei Amerikanern und dem Kanadier Hansen plant mit der zweiten Umrundung den nächsten großen Schritt: Mit “Artemis 3” ist für 2027 die nächste Mondlandung beabsichtigt, das erste Mal wieder seit 1972.
Nölle öffnet mit ihrer Doku Türen, die sonst verschlossen bleiben. So besucht die Regisseurin das Astronauten-Quartett, das Commander Wisemann als “extrem motiviert und unglaublich bescheiden” beschreibt, in den Trainingshallen der NASA und darf es sogar ins Raumschiff begleiten. Es kommen zudem die deutschen Raumfahrer Alexander Gerst und Matthias Maurer sowie andere Experten zu Wort, die sich zu Herausforderungen und Bedeutung der Mondmission äußern.
Deutsches Know-how ist dabei unverzichtbar, wie der Film zeigt. Der deutsch-französische Luftfahrtkonzern Airbus in Bremen baut das Europäische Servicemodul. Dieses Lebenserhaltungssystem des Orion-Raumschiffs versorgt die Astronauten bei deren Mission mit Energie, Wasser, Sauerstoff und Antrieb. Ohne dieses 13 Tonnen schwere Herzstück wäre der Flug zum Mond undenkbar.
In Thüringen fertigt der elektronische Hersteller Jena-Optronik hochpräzise Sternsensoren, die wie ein Navi eine Orientierung des Raumschiffs im Weltall überhaupt erst möglich machen. Im amerikanischen Houston ist das Filmteam im berühmten Mission Control Room dabei, wenn der Flight Director Judd Frieling der NASA mit seinem Team den Einsatz plant.
Die Dreharbeiten waren sehr herausfordernd, denn “bei fast allen Drehorten handelt es sich um hochsensible Bereiche, die durch strenge Sicherheitskonzepte geschützt sind”, erklärt Nölle. Raumfahrt werde in Zeiten hybrider Kriegsführung zunehmend als kritische Infrastruktur betrachtet. Dass ihr von Forschenden wie Raumfahrern großes Vertrauen entgegen gebracht worden sei, empfinde sie als “eine große Ehre”, sagt die Regisseurin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Neben seltenen Einblicken bündelt die ARD-Doku “Artemis 2 – Zurück zum Mond”, eine Produktion vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) in Ko-Produktion mit dem Hessischen Rundfunk (HR), nicht nur interessantes Hintergrundwissen. Sie zeigt auch, wie sich Teams auf ihren Mondeinsatz vorbereiten können. Die neue Luna-Halle vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln bietet eine weltweit einzigartige wirklichkeitsgetreue Nachbildung der Mondoberfläche mit 900 Tonnen Staub. Hier trainieren künftige Astronautinnen und Astronauten, wie sie in dieser unwirtlichen Umgebung zurechtkommen könnten.
Am Ende stellt die Doku die Grundfrage: Warum riskieren Menschen ihr Leben, um andere Himmelskörper zu erreichen, Neues zu entdecken und zu verstehen? Geophysiker Gerst antwortet in einem großen Bild: Die Erde sei nichts anderes ist als ein Raumschiff mit endlichen Ressourcen, umgeben von einem unendlichen Kosmos. Die Menschen auf diesem “Raumschiff” könnten sich aussuchen, ob sie Teil der Passagiere sein wollen oder Teil der Crew; ob sie lieber passiv leben wollen oder aktiv, ob sie sich steuern lassen wollen oder selbst aktiv werden.