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Arche-Dorf Steinlah rettet gefährdete Tierrassen

In Steinlah, einem Dorf im Harz, werden seltene Tierrassen gehalten und gezüchtet. Das erste in Deutschland gegründete Arche-Dorf leidet aber unter Nachwuchssorgen.

Auch das Rauhwollige Pommersche Landschaf lebt im Arche-Dorf Steinlah (Symbolbild)
Auch das Rauhwollige Pommersche Landschaf lebt im Arche-Dorf Steinlah (Symbolbild)Imago / Blickwinkel

Das Rote Höhenvieh, Harzer Ziegen oder das Rauhwollige Pommersche Landschaf – all diese Rassen gibt es im Arche-Dorf Steinlah im niedersächsischen Harz. Eine Reihe von Tierhaltern betreibt dort die Zucht alter Haustierrassen. Einige sind in ihrem Bestand gefährdet und stehen auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH).

Im Jahr 2009 verlieh die GEH dem Projekt die Bezeichnung Arche-Dorf. Hans-Jürgen Hesse war der Motor. „Unser Nachbar hatte schon Rotes Höhenvieh, wir hatten Hühner und Kaninchen und drei weitere Höfe beteiligten sich ebenfalls an dem Projekt“, erzählt er. Rund 20 bedrohte Tierrassen konnte man in den guten Zeiten in Steinlah sehen und erleben. Es gab Führungen und einmal im Jahr ein großes Arche-Dorffest. „2019 haben wir es noch gefeiert“, sagt Hans-Jürgen Hesse. Dann kam Corona.

Arche-Dorf Steinlah hat Nachwuchssorgen

Dass es seitdem kein Fest mehr gibt und kaum noch Führungen, hat mehrere Gründe. „Zum einen sind wir inzwischen nur noch zwei Höfe, die anderen haben bereits aufgehört. Auch wir werden unseren Hof irgendwann aufgeben. Es gibt keine Nachfolger.“ Keines seiner sechs Kinder will den Hof übernehmen.

Auch das Rote Höhenvieh wird in Steinlah gehalten
Auch das Rote Höhenvieh wird in Steinlah gehaltenImago / Imagebroker

Ein weiterer Grund für Hesse, keine Führungen mehr anzubieten, sind „die Veränderungen in der Gesellschaft“. Er berichtet von Anfeindungen. „Wir halten Nutztiere. Es geht ihnen gut bei uns, sie werden artgerecht gehalten, aber es sind Nutztiere, die wir melken oder schlachten. Ich bin es leid, mich als Mörder und Sklavenhalter beschimpfen zu lassen.“

Hans-Jürgen Hesse ist 73 Jahre alt und hat als Realschullehrer gearbeitet. Den Hof betreibt er hobbymäßig. Das war auch bei den Mitstreitern der Fall. „Dennoch ist es unrealistisch, die Tiere zu halten ohne davon einen Nutzen zu haben. Unser Arche-Dorf ist kein Gnadenhof“, macht er deutlich. „Aber unsere Tiere haben es gut, solange sie leben. Sie bekommen frisches Wasser, gutes Futter, weiden auf grünen Wiesen und der Tierarzt kommt, wenn sie krank sind.“ Würde er sie in die freie Natur entlassen, würden die meisten nicht lange überleben. Denn auch dort drohen Gefahren.

In Steinlah gehören Tiere zur Familie

„Die Schöpfung ist eben auch fressen und gefressen werden. Der Mensch hat sich im Lauf der Jahrtausende an die Spitze der Nahrungskette gesetzt und schließlich die Jagd verringert und sich Tiere gehalten, um zu überleben“, sagt Hesse.

Gleichzeitig gibt es auch immer wieder Tiere, die fast wie ein Familienmitglied sind. „Wir haben noch immer die Regel: Wer einen Namen bekommt, wird nicht gegessen.“ Er erzählt von einer Ziege, die seine Frau mit der Flasche groß gezogen hat. „Als die Ziege schließlich starb, war die Trauer groß.“

Hans-Jürgen Hesse liebt Tiere. „Einer, der Tiere hält und isst, darf kein Tierhasser sein.“ Und so lange er kann, will er dazu beitragen, dass gefährdete Arten überleben.