Mehr als 500.000 Krebsdiagnosen pro Jahr allein in Deutschland: Eine 3sat-Doku zeigt, wie Sport, Ernährung und frühe Tests das Risiko senken. Was jede und jeder selbst tun kann – und wo neue Forschung Hoffnung macht.
Jährlich bekommen nach Auskunft der Deutschen Krebshilfe mehr als eine halbe Millionen Menschen hierzulande eine Krebsdiagnose. Lange galt die Krankheit als unbesiegbar. Doch neue Therapien, genauere Diagnosen und verbesserte Früherkennung lassen hoffen. Aktuelle Einblicke in der Krebsprävention trägt die Dokumentation “NANO Doku: Anti-Krebs-Hacks – Dein Lebensstil zählt” zusammen, die 3sat am 5. Februar um 20.15 Uhr ausstrahlt. Der Film zeigt, welche eigenen “Hebel” gegen Krebs helfen – und was jede und jeder Einzelne konkret beachten und bewirken kann.
Fast jede zweite Person erkrankt im Laufe ihres Lebens an Krebs; dank medizinischer Früherkennung wird dieser schneller erkannt. Wissenschaftsjournalistin Jasmina Neudecker als Host fragt gleich zu Beginn, “was wir genießen dürfen und wo es gefährlich wird.” Sie besucht unter anderen Nadira Gunasekara von der Sporthochschule Köln, die eine Studie zur Brustkrebsprävention durch Krafttraining leitet. Die Biologin zeigt in ihrer Forschung, wie Sport und Bewegung das Immunsystem stärken – und so helfen, Krebszellen zu bekämpfen. Neudecker führt ein spezielles Training durch und lässt sich danach Blut zur Untersuchung abnehmen – das Ergebnis liefert der Film.
Übergewicht, Rauchen und Alkoholkonsum zählen zu den beeinflussbaren Krebsrisikofaktoren. “Die große Chance besteht darin, dass ich selbst aktiv werden kann”, erklärt die Präventionsmedizinerin Ursula Will vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKZF) in Heidelberg. Die Onkologin leitet die Stabsstelle für evidenzbasierte Forschung, um das Krebsrisiko in der Bevölkerung nachhaltig zu senken.
Vielen gelingt es besser, das eigene Lebens zu verändern, wenn sie dabei Unterstützung haben. Um das zu konkretisieren, besucht Neudecker bei Eintracht Frankfurt das Projekt “Fußballfans im Training” der Deutschen Krebshilfe. Der Club bietet als einer von 26 Bundesliga-Vereinen seinen Fans die Möglichkeit, durch Sport und gesunde Ernährung gezielt Übergewicht abzubauen. Die Gruppe trainiert zwölf Wochen unter Anleitung des ehemaligen Fußballprofis Thomas Zampach. Neudecker ist in der Halbzeit des dreimonatigen Kurses dabei und spricht mit Ellen und Juliane über ihre Erfahrungen.
Zu Hautkrebs und Früherkennung testet Neudecker am Uniklinikum Dresden einen modernen Ganzkörperscanner, der Pigmentveränderungen der Haut früh sichtbar macht. Mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt das Gerät aus 92 hochauflösenden Fotos ein 3D-Modell des Körpers. Wie wichtig UV-Schutz schon von klein auf ist, erlebt Neudecker bei einem besonderen Kindergartenprojekt. Die Kita Zwergenland in Freital bei Dresden macht mit bei “Clever in Sonne und Schatten” der Deutschen Krebshilfe und des Nationalen Tumor-Centrums der Uniklinik Dresden.
Mit kompakten Informationen und interessanten Statements aus der Medizin zeigt die Doku, was der Einzelne für die eigene Gesundheit tun kann. Aufschlussreich war für das Team um die Wiesbadener Filmemacherin Julia Schmidt, wie eng die Grundlagenforschung zu Krebs und dessen Entstehung mit der Vorsorge verbunden ist. Klar wird auch: Die Prävention ist noch nicht so intensiv erforscht – auch weil es lange dauern kann, bis sich Erfolge einstellen.
“Aber der Fokus verändert sich”, resümiert Regisseurin Schmidt. Zum Beispiel entsteht am Deutschen Krebsforschungszentrum eine Präventionsambulanz, in der sich künftig gesunde Menschen zum Schutz vor Krebs beraten lassen und unterstützende Angebote bekommen sollen. Zudem soll das Thema Krebsprävention im Medizinstudium stärker verankert werden. “Es tut sich also einiges”, das ist für Julia Schmidt die positive Message ihres Films. Sie ist froh, dafür Wissenschaftsjournalistin Neudecker gewonnen zu haben. Ihr gelinge es, “auch abstrakte Themen für die Zuschauerinnen und Zuschauer verständlich und erlebbar zu machen”.