Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer ist einem Zeitungsbericht zufolge im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) in Köln seien 3.867 entsprechende Anträge eingegangen und damit 72 Prozent mehr als im Jahr zuvor, berichtet die „Augsburger Allgemeine“ (Mittwoch). 2024 waren es insgesamt 2.249 Anträge.
2011 war die allgemeine Wehrpflicht ausgesetzt worden. Das Recht, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen gemäß Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes zu verweigern, blieb allerdings bestehen.
Im Dezember 2025 hatte der Bundestag das Wehrdienstmodernisierungsgesetz beschlossen. Allein in dem Monat wurden laut der Zeitung 371 Anträge eingereicht. Dies seien innerhalb eines Monats fast doppelt so viele Anträge, wie im gesamten Jahr 2021 gestellt wurden. Im Februar 2022 hatte Russland seinen Angriffskrieg auf die Ukraine begonnen. Seitdem ist die Zahl der Kriegsdienstverweigerer in Deutschland kontinuierlich gestiegen.
Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz ist Anfang 2026 in Kraft getreten. Danach erhalten 18-Jährige ein Schreiben von der Bundeswehr, auf das sie eine Erklärung abgeben sollen, ob sie zum Wehrdienst bereit oder fähig sind. Ziel ist laut Gesetz, die Truppenstärke der Bundeswehr bis zum Jahr 2035 von derzeit rund 184.000 Soldatinnen und Soldaten auf 255.000 bis 270.000 zu erhöhen. Sollten sich nicht genug Freiwillige melden, kann der Bundestag eine sogenannte Bedarfswehrpflicht beschließen, die in einem separaten Gesetz geregelt werden müsste.